Ärzte Zeitung, 01.03.2007

330 000 Frakturen pro Jahr durch Osteoporose in Deutschland

Berliner Osteologe fordert verstärkte Osteoporose-Frühdiagnostik / Erkrankung wird zu wenig als Volkskrankheit wahrgenommen

KÖNIGSTEIN (ner). Für eine stärkere Nutzung der Frühdiagnostik bei Osteoporose hat sich Professor Dieter Felsenberg aus Berlin ausgesprochen. Es könne nicht angehen, dass es bei den jährlich etwa 330 000 Osteoporose-bedingten Frakturen in Deutschland lediglich 115 000 Knochendichte-Messungen gebe.

Idealerweise sollte eine Osteoporose diagnostiziert werden, bevor es zu Frakturen gekommen sei, betonte Felsenberg. Aber spätestens dann, wenn ein Patient bereits die erste Fraktur erlitten habe, solle geklärt werden, ob eine Osteoporose vorliegt. Ist das der Fall, muss umgehend mit einer Fraktur-Prophylaxe begonnen werden.

Bisher erhalte jedoch nur ein Drittel der Patienten, die eine Fraktur an einer für Osteoporose typischen Stelle erlitten haben, eine Knochendichtemessung. Dabei sei das bei solchen Patienten dann eine Kassenleistung, kritisierte der Muskel- und Knochenforscher vom Universitätsklinikum "Benjamin Franklin".

Das "Problem Osteoporose" in der deutschen Bevölkerung sei größer als noch vor Jahren angenommen, sagte Felsenberg bei einer Pressekonferenz der Unternehmen Sanofi-Aventis und Procter & Gamble in Königstein. Nach Daten der Gmünder Ersatzkasse sei etwa jeder vierte Bürger über 50 Jahre an einer Osteoporose erkrankt. Und das entspricht 7,8 Millionen Menschen. Die jährlichen Folgekosten der Osteoporose betragen nach Angaben von Felsenberg 5,4 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund äußerte der Kollege Unverständnis darüber, dass zum Beispiel Vitamin D, Kalzium und Bisphosphonate als evidenzbasierte Therapieoptionen nach wie vor wenig verordnet würden, besonders bei alten Menschen mit hohem Frakturrisiko. Offenbar werde die Osteoporose in Deutschland noch zu wenig als Volkskrankheit wahrgenommen.

Felsenberg wies darauf hin, dass zwei Drittel der Therapiekosten durch die stationäre Behandlung und die Pflege der betreffenden Patienten verursacht würden, lediglich 15 Prozent durch Arzneimittelausgaben. Ziel müsse sein: "Sparen mit Arzneimitteln und nicht an Arzneimitteln!", so Felsenberg.

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