Ärzte Zeitung, 22.10.2007

60 Jahre und Raucherin - Bei solchen Frauen ist Osteoporose-Check sinnvoll

Nikotinkonsum ist Risikofaktor für die Knochenkrankheit  /  Auch Lebensalter und Geschlecht sind entscheidend

Das rechtzeitige Erkennen eines erhöhten Risikos für osteoporotische Frakturen und eine rasche Therapie können den Betroffenen viel Leid ersparen. Die aktuellen Leitlinien zu Osteoporose helfen hierbei - getreu dem Motto des Welt-Osteoporose-Tages "Verhindere den Knochenbruch - Kenne und vermindere Dein Osteoporose-Risiko!"

Ob nach einer Osteoporose gefahndet werden soll, richtet sich vor allem nach dem Alter und dem Geschlecht der Patienten.

Stark gefährdet für osteoporotische Frakturen sind Frauen über 70 Jahre und Männer über 80 Jahre. Bei ihnen sollte daher eine Basisdiagnostik erfolgen, empfehlen die Leitlinien des Dachverbands Osteologie (DVO). Dazu gehört außer einer spezifischen Anamnese mit Klärung des Sturzrisikos etwa auch die Messung der Knochenmineraldichte. Als Standardmethode wird hierfür nach wie vor das DXA-Verfahren (Dual-X-Ray-Absorptiometrie) empfohlen.

Basis-Check je nach Alter und Risikofaktoren

Untersucht werden sollten nach den DVO-Leitlinien auch Frauen zwischen 60 und 70 Jahren sowie Männer zwischen 70 und 80 Jahren, die bereits eine Wirbel- oder periphere Fraktur hatten oder einen anderen Risikofaktor für Osteoporose wie Nikotinkonsum oder Immobilität haben. Bei jüngeren Frauen und Männern wird die Basisdiagnostik erst für notwendig erachtet, wenn sie bereits eine osteoporotische Fraktur hatten.

Bei einer erst 55-jährigen Frau ohne Fraktur ist ein Osteoporose-Check aufgrund des geringen Frakturrisikos nach der Leitlinie nicht vorgesehen. "Möchte eine solche Frau dennoch untersucht werden, weil ihre Mutter bereits eine Hüftfraktur hatte und sie Angst hat, ein ähnliches Schicksal zu erleiden, sollten wir ihr das natürlich nicht verwehren", sagte Professor Helmut Minne, Vorstandsvorsitzender vom Kuratorium Knochengesundheit, zur "Ärzte Zeitung". Bei solchen Frauen seien therapeutische Konsequenzen zwar selten, aber nicht ausgeschlossen. Ergebe die Osteodensitometrie etwa einen T-Score, also eine Standardabweichung von der Knochendichte eines jungen gesunden Erwachsenen, von minus 3,5, sei aufgrund des familiären Risikos eine spezifische Therapie, etwa mit einem Bisphosphonat, sinnvoll. Bei einem T-Score von minus 2,5 werde ab dem 60. Lebensjahr eine spezifische Therapie erforderlich, so Minne.

Hohes Frakturrisiko bei Kortikoidtherapie

Auch Patienten, die für drei Monate oder länger systemisch mit Kortikoiden behandelt werden, haben - unabhängig vom Lebensalter - ein erhöhtes Frakturrisiko und benötigen daher eine Osteoporose-Basisdiagnostik. Bereits bei einem T-Score von kleiner minus 1,5 ist nach der neuen DVO-Leitlinie eine spezifische medikamentöse Therapie indiziert.

Das Frakturrisiko bei einer Kortikoidtherapie ist nach neuen Studiendaten unabhängig von der täglichen Kortikoiddosis erhöht, besonders in den ersten sechs Monaten. Eine Schwellendosis, unterhalb derer kein Einfluss auf die Knochendichte und das Frakturrisiko besteht, gibt es offenbar nicht. Selbst bei einer systemischen Tagesdosis von 2,5 mg Prednisolon-Äquivalent ist das relative Risiko für Wirbelkörperfrakturen um den Faktor 1,55 erhöht (Der Orthopäde 36, 2007, 38).

(ikr)

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