Ärzte Zeitung, 27.05.2008

Hinweis auf Krebshemmung durch Bisphosphonat

Tierversuch: direkter tumorhemmender Effekt / Kiefernekrose ist eine seltene Komplikation der Therapie

BASEL (sh). Bisphosphonate wie Zoledronsäure können nach tierexperimentellen Ergebnissen bei verschiedenen Krebsformen Metastasen verhindern, vor allem in Kombination mit einer Chemotherapie.

Die Daten mehrerer klinischer Studien belegen, dass das Bisphosphonat Zoledronsäure Skelett-Komplikationen bei soliden Tumoren wie Mamma- und Prostatakarzinom sowie beim multiplen Myelom verringert.

Nach tierexperimentellen Untersuchungen hätten Bisphosphonate auch direkte tumorhemmende Eigenschaften, so Dr. Jonathan Green aus Basel. Diese können durch eine Chemo- oder Radiotherapie verstärkt werden. Deshalb wird derzeit in mehreren klinischen Studien geprüft, wie sich Bisphosphonate auf die Entstehung von Metastasen auswirken. Erste Ergebnisse werden auf der US-Krebstagung ASCO vorgestellt.

Darüber hinaus eignen sich Bisphosphonate aber auch dazu, Aromatasehemmer-assoziierte Knochenveränderungen zu verhindern. Zum Management des Aromatasehemmer-assoziierten Knochenverlusts bei Frauen mit Brustkrebs haben Professor Peymann Hadji aus Marburg und internationale Kollegen Ende April 2008 Empfehlungen publiziert (Ann Oncol online). Danach lassen sich mit Hilfe eines Algorithmus gefährdete Frauen identifizieren, für die eine Behandlung mit Zoledronsäure angezeigt ist.

Bei einigen wenigen Patienten sind während einer Bisphosphonat-Therapie Kiefernekrosen beobachtet worden. Die Häufigkeit und Bedeutung dieser Nekrosen werde jedoch nach Ansicht von Hadji übertrieben dargestellt. Wie er bei einem Pressegespräch von Novartis in Basel berichtete, lassen sie sich zum größten Teil dadurch vermeiden, dass sich Patienten vor der Behandlung zahnärztlich untersuchen lassen und dass während der Therapie invasive/operative Interventionen im Kieferbereich vermieden werden.

Trete dennoch eine Kiefernekrose auf, solle der Patient unbedingt in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden, so Hadji. Primär ist konservativ vorzugehen, eine Operation ist in der Regel nicht erforderlich. Ob die Bisphosphonat-Behandlung abgesetzt wird, ist jeweils individuell zu entscheiden.

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