Ärzte Zeitung, 11.11.2008

Osteoporose-Therapie ist oft unzureichend

Nur ein Viertel der erkrankten Frauen erhält medikamentöse Behandlung / Ausgaben vor allem für Analgetika

ESSEN (hbr). Viele Osteoporose- Patienten werden nicht angemessen behandelt. Das fällt vor allem bei älteren Frauen auf. Auch die Aufteilung der Arzneimittelausgaben stimmt bedenklich: Das Geld wird offenbar kaum in Medikamente gegen Osteoporose gesteckt, sondern fast nur in Schmerzmittel.

Ausgeprägtes Tannenbaumphänomen bei einer Osteoporose- Patientin.

Foto: Professor Klaus Peters

"Es werden insgesamt viel zu wenige Patienten behandelt", stellte Professor Peyman Hadji von der Universität Marburg aus Anlass des Welt-Osteoporose-Tages fest. Nach aktuellen Studiendaten erhalten in Deutschland nur 12 bis 13 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen mit Osteoporose eine medikamentöse Therapie. Bei den Frauen zeigt sich ein weiteres Phänomen: Obwohl die Osteoporose-Häufigkeit mit dem Alter steigt, nimmt der Anteil derer, die entsprechend behandelt werden, ab. So erhalten von den unter 64-jährigen Frauen noch 31 Prozent ein Medikament, aber nur 19 Prozent derjenigen über 75.

Dabei wird eigentlich viel Geld für die Therapie ausgegeben - nur nicht für Osteoporose-Medikamente, so Hadji beim Patientenkongress in Essen. Im Jahr 2003 etwa betrugen die Gesamtkosten 5,4 Milliarden Euro. Mit drei Milliarden Euro (56 Prozent) landete jedoch der größte Teil in der stationären Versorgung von Patienten mit Frakturen. Die betrifft nicht einmal fünf Prozent aller von Knochenabbau Betroffenen. Und eigentlich geht es dabei auch nur um die Behandlung später Osteoporose-Folgeschäden statt der Krankheit selbst. In Medikamente flossen nur 791 Millionen Euro (15 Prozent). Und davon blieb für Osteoporose-Präparate, von Kalzium und Vitamin D3 bis hin zu Bisphosphonaten, nur ein Zehntel übrig. Die übrigen 90 Prozent wurden für Schmerzmittel gebraucht.

Aber auch die Patienten selbst seien zur Prävention und Therapie der Osteoporose gefordert, so Hadji: Sie sollten auf kalziumreiche Ernährung achten und sich viel bewegen. Er rät zu Sportarten mit geringem Sturzrisiko, wie Wandern, Gymnastik und Walking. Außerdem sollten Risikofaktoren für Osteoporose vermieden werden wie hoher Koffeinverbrauch, Rauchen, Alkohol und Knochen-belastende Medikamente. Bei Kortison etwa sollte geprüft werden, ob eine Umstellung oder zumindest eine Dosisreduktion möglich ist, so Hadji.

Zum Thema Osteoporose bietet die "Ärzte Zeitung" ein kostenloses Wartezimmerplakat (exklusiv für Ärzte) sowie kostenlose Informationen für Interessierte und für Betroffene. Außerdem gibt es gegen eine Versandkostenpauschale eine DVD mit Bewegungsübungen und Ernährungstipps.

Weitere Infos dazu gibt es auf: http://www.aerztezeitung.de/extras/ patienteninfo/info-osteoporose2

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