Ärzte Zeitung, 04.11.2010

Kyphoplastie lindert hartnäckige Frakturschmerzen

Für Patienten mit Wirbelkörperfraktur, die trotz konservativer Therapie weiter Schmerzen haben, ist die Kyphoplastie eine aussichtsreiche Option.

Kyphoplastie lindert hartnäckige Frakturschmerzen

Kyphoplastie: Ein Ballonkatheter wird in den Wirbelkörper gebracht und aufgeblasen; der Hohlraum wird mit Zement gefüllt.

© Kyphon

LIMBURG (ikr). Die operative Wirbelkörperaugmentation ist eine wirksame Methode bei akuten osteoporotischen Wirbelfrakturen: Nach Ergebnissen von Studien ist direkt postoperativ bei 80 Prozent der vertebroplastierten Patienten eine deutliche Schmerzlinderung zu beobachten.

Die Ballonkyphoplastie hat jedoch Vorteile gegenüber der klassischen Vertebroplastie. Bei der Kyphoplastie wird zähflüssiger Zement verwendet, der unter niedrigem Druck eingebracht werden kann. Das führt zu einer deutlich verminderten Zementaustrittsrate, berichtet Privatdozent Joachim Hillmeier vom St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg (Der Orthopäde 2010; 7: 665). Außerdem sei mit der Kyphoplastie eine bessere Höhenwiederherstellung der frakturierten Wirbelkörper möglich. Für interessant hält der Limburger Chirurg darüber hinaus die deutlich verminderte Emboliegefahr nach Kyphoplastie von 0,01 Prozent im Vergleich zu zwei Prozent.

Mit der Kyphoplastie gelingt es, bei frischen schmerzhaften Wirbelkörperfrakturen diese wieder aufzurichten und gleichzeitig die Architektur des Wirbelkörpers zu stabilisieren. Weltweit sind bereits mehr als 600 000 Kyphoplastien vorgenommen worden. Außer Patienten mit osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen können mit der Methode auch Patienten mit komplexeren traumatischen Wirbelkörperfrakturen selbst mit Hinterkantenbeteiligung oder mit osteolytischen Metastasen wenig traumatisierend behandelt werden, so Hillmeier. Etwa 70 bis 80 Prozent aller Kyphoplastien betreffen schmerzhafte Fragilitätsfrakturen bei Osteoporose - meist einfache Kompressionsfrakturen.

Vor einem solchen Eingriff ist jedoch eine genaue klinische und radiologische Evaluation erforderlich. Hillmeier: "Bei osteoporotischen Frakturen führen wir routinemäßig eine Magnetresonanztomografie (MRT) durch, um degenerative Veränderungen und frische Frakturen, erkennbar am Knochenödem, abgrenzen zu können". Vor der Entscheidung zur Kyphoplastie sollte außerdem eine mehrtägige adäquate konservative Schmerz- und Physiotherapie erfolgen, rät der Experte. Nach der aktuellen DVO-Leitlinie zu Osteoporose wird sogar eine mindestens dreiwöchige konservative Therapie gefordert, bevor eine operative Wirbelkörperaugmentation vorgenommen werden sollte.

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