Ärzte Zeitung, 03.03.2011

Sind fünf Jahre Bisphosphonat-Therapie genug?

Ältere Frauen, die länger als fünf Jahre lang ein Bisphosphonat erhalten, haben ein erhöhtes Risiko für atypische Femurfrakturen. Das absolute Risiko ist jedoch gering.

Sind fünf Jahre Bisphosphonat-Therapie genug?

Nach einer Fraktur: Reichen fünf Jahre Bisphosphonat-Therapie, um das Bruchrisiko bei älteren Frauen zu reduzieren?

© Prof. Klaus M. Peters

TORONTO (ikr). Kanadische Forscher haben die Daten von 205.466 Frauen im Alter über 68 Jahre ausgewertet, die mit einem Bisphosphonat behandelt wurden (JAMA 2011; 305(8): 783). 716 Frauen hatten eine atypische Femurfraktur erlitten. 3580 Frauen ohne eine solche Fraktur galten als Kontrollpersonen.

Dabei stellte sich heraus: Das Risiko für eine atypische Femurfraktur war bei Frauen, die länger als fünf Jahre lang ein Bisphosphonat erhalten hatten, zwar 2,7-fach höher als bei kurzer Behandlungsdauer (weniger als 100 Tage).

Das absolute Risiko für solche Frakturen war jedoch gering: Bei 0,13 Prozent der 52.595 Frauen mit mindestens fünfjähriger Bisphosphonat-Therapie trat im Jahr danach eine solche Fraktur auf und bei 0,22 Prozent der Frauen innerhalb von zwei Jahren.

Außerdem: Das Risiko für typische osteoporotische Frakturen war unter längerfristiger Bisphosphonat-Therapie deutlich verringert. So hatten 9723 Frauen eine typische Femurfraktur erlitten. Bei mehr als fünfjähriger Behandlung war das Frakturrisiko um 24 Prozent geringer als bei kurzzeitiger Anwendung.

Allerdings ergab sich bei Frauen mit nur drei- bis fünfjähriger Behandlung ein ähnlich guter Schutz vor Brüchen. Eine Anwendung über lediglich 100 Tage bis zu drei Jahren brachte jedoch keine signifikante Frakturreduktion, wie die kanadischen Forscher berichten.

Die Wissenschaftler empfehlen, angesichts der aktuellen Datenlage, Bisphosphonate Patienten keineswegs vorzuenthalten, aber nach Ablauf von fünf Jahren die Notwendigkeit einer noch längeren Anwendung genau zu überprüfen. Das gelte besonders für Patienten mit relativ niedrigem Frakurrisiko.

Atypische Femurfrakturen sind sehr selten und machen weniger als ein Prozent der Hüft- und Femoralfrakturen insgesamt aus, teilt die US-Arzneimittelbehörde FDA mit. Sie werden überwiegend bei Osteoporose-Patienten gemeldet, die langfristig Bisphosphonate zur Frakturprophylaxe erhalten. Bisher sei jedoch unklar, ob Bisphosphonate tatsächlich die Ursache solcher Brüche sind. Die FDA ist dabei, Studiendaten zur Sicherheit und Wirksamkeit von Bisphosphonaten in der Langzeittherapie bei Osteoporose-Patienten unter die Lupe zu nehmen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »