Ärzte Zeitung online, 23.10.2015

Kommentar zur Kalziumzufuhr

Keine voreiligen Schlüsse!

Von Robert Bublak

Zwei neuseeländische Studien nähren Zweifel an den Empfehlungen die Kalziumzufuhr zur Osteoporose- und Frakturprophylaxe betreffend. Hiernach leistet die gesteigerte Aufnahme von Kalzium keinen relevanten Beitrag dazu, die Knochen zu stärken.

Fachgesellschaften wie der Dachverband Osteologie raten in ihren Leitlinien zu einer täglichen Zufuhr von 1000 mg Kalzium. Das wird in Deutschland von Frauen und Männern jenseits der 50 nur in den Gruppen der Ältesten deutlich verfehlt.

In anderen Ländern der westlichen Welt, wo die Zufuhr im Mittel 700-900 mg pro Tag beträgt, ist die Lage ähnlich. Wenn aber die empfohlenen Mengen fast erreicht werden, ist von einer zusätzlichen Zufuhr kein großer Effekt zu erwarten.

Doch immerhin: Eine Senkung des Risikos für Knochenbrüche um fünf bis zehn Prozent lässt sich aus den vorliegenden Daten ableiten.

Wo die Zufuhr deutlich unter den Empfehlungen blieb, reduzierte die gesteigerte Kalziumzufuhr das Frakturrisiko sogar um 30 bis 40 Prozent, etwa bei Bewohnerinnen von Pflegeheimen.

Das räumen auch die Forscher aus Neuseeland ein. Ganz nutzlos scheint die erhöhte Kalziumzufuhr also doch nicht zu sein. Vielleicht helfen die Studienergebnisse aber, die Zielgruppen in den Leitlinien genauer zu definieren.

Lesen Sie dazu auch:
Knochendichte: Mehr Kalzium bringt fast nichts

[24.10.2015, 00:04:27]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
@Maren Reed völlig richtig ohne ausreichend Vit.D kein "Kalzium-Effekt"
hier lohnt sich zu substituieren, wer Zweifel hat, bitte mal die Serumwerte überprüfen.
Und schließlich gehört beim Knochenstoffwechsel neben dem Kalzium auch das Phosphat, hier kommt es beim alten Menschen von zwei Richtungen zu Problemen, das ist die Niereninsuffizient einerseits und der zunehmende Eiweißmangel (Phosphatquelle) andererseits. Phosphat steht in Wechselwirkung zu Kalzium. Wenn dann bei Eiweißmangel noch großere Menhen Kalzium substituiert werden, kann es zur paradoxen Osteoporose wegen diese Imballanz kommen. Also im Alter auch mal ans Parathormon denken.
Vegetarier haben übrigens auch vermehrt Osteoporose. zum Beitrag »
[23.10.2015, 10:00:14]
Maren Reed 
Kalzium ist wichtig
... aber um es auch "einbauen" zu können, muss genug Vitamin D vorhanden sein. Gerade das ist aber ein Problem, da offenbar noch immer viele Ärzte nicht die Notwendigkeit erkannt haben und ihre Patienten informieren. Ich hatte Vortzräge vor Senioren, 60+, max. 1-2 von 20 wurden von ihrem Arzt angesprochen und kannten (ursprünglich zu niedrigen) Wert - und supplementierten. Alle anderen hatten keine Ahnung. DAS finde ich ein mehr als trauriges Bild - wo das RKI festgestellt hat, das mind. 60-80% der Deutschen einen zu niedrigen Vitamin D Spiegel haben.

Und, ja, die Aufnahme von Kalzium sinkt offenbar im Alter, auch weil die Aifklärung fehlt. Es werden lieber alle möglichen - alten und neuen - Diäten in Zeitschriften durchgekaut, anstatt sinnvolle Infos. "Schlank aber krank" scheint für viele noch immer erstrebenswert zu sein .... zum Beitrag »

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