Ärzte Zeitung, 20.04.2004

Kardiovaskuläres Risiko durch Coxibe nicht erhöht

Bei Niereninsuffizienz ist aber Vorsicht geboten

MÜNCHEN (wst). Eine Therapie mit Coxiben erhöht nach derzeitigem Wissensstand nicht das kardiovaskuläre Risiko. Da ihre Wirkung an den Nieren aber ähnlich ist wie bei klassischen NSAR, sie also die Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten verringern können, sollten sie wie die Klassiker bei stark eingeschränkter Nierenfunktion nicht angewendet werden.

Das hat Professor Gerd-Rüdiger Burmester von der Charité in Berlin bei einem Symposium des Unternehmens MSD in München gesagt. Ergebnisse der im Jahr 2000 veröffentlichten VIGOR-Studie ließen den Verdacht entstehen, Coxibe erhöhten möglicherweise das Herzinfarktrisiko, wie Burmester berichtet hat. Dieser Verdacht hat sich nicht bestätigt.

Zur Erinnerung: In VIGOR (Vioxx Gastrointestinal Outcomes Research) hatten mehr als 8000 Patienten mit rheumatoider Arthritis entweder Naproxen oder Rofecoxib (Vioxx®) als antientzündliche Therapie eingenommen. Eine Behandlung mit ASS zur kardiovaskulären Prophylaxe war nicht erlaubt.

In der Coxib-Gruppe war damals eine viermal so hohe Herzinfarktrate verzeichnet worden wie mit Naproxen. Inzwischen hat die wissenschaftliche Diskussion weitgehend zu dem Konsens geführt, daß dieser Unterschied durch die starke Thrombozyten-Aggregationshemmung von Naproxen zu erklären ist, das somit ähnlich wie ASS kardioprotektiv wirkt.

Das für den Gastrointestinaltrakt deutlich schonendere Rofecoxib hemmt die Plättchenfunktion dagegen nicht, womit es Herz und Gefäßen zwar nicht schadet, ihnen aber auch nicht nützt. Daher gilt für die tägliche Praxis: Sofern ASS-Kontraindikationen fehlen, sollten Infarkt-Risikopatienten auch bei einer Behandlung mit einem Coxib niedrigdosiertes ASS einnehmen.

Der Einfluß der Coxibe auf die Nierenfunktion ist dem klassischer NSAR ähnlich: Sie können über die Cox-2-Hemmung eine Elektrolyt- und Wasserretention verursachen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird daher zur Vorsicht geraten. Ab einem Serumkreatinin-Wert von 2 bis 2,5 mg/dl oder bei einer Kreatinin-Clearance von weniger als 30 ml/min sollte daher auf Coxibe ebenso wie auf klassische NSAR verzichtet werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »