Ärzte Zeitung, 11.05.2004

Bei Polymyalgia rheumatica nicht zu früh am Kortison sparen!

Eine hohe Dosierung beim Therapiestart verringert das Rückfallrisiko / Erkrankung heilt nach ein bis zehn Jahren meist spontan ab

WIESBADEN (bib). Über Patienten mit Polymyalgia rheumatica (PMR) schwebt immer ein Damoklesschwert: Infolge ihrer Vaskulitis können sie erblinden oder etwa einen Hirn- oder Myokardinfarkt erleiden. Deshalb müssen sie möglichst früh, ausreichend hoch dosiert und ausreichend lange mit Glukokortikoiden behandelt werden.

Bei Augensymptomen empfiehlt Professor Frank Buttgereit von der Charité in Berlin eine Anfangsdosierung von bis zu drei- bis viermal täglich einem Gramm Prednisolonäquivalent intravenös, bei gesicherter Arteriitis cranialis ohne Augensymptome, etwa mit Ameisenlaufen am Kopf, ein Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich oral. Bei reiner PMR ohne Arteriitis cranialis genügen täglich 30 bis 40 mg, so der Rheumatologe beim Internistenkongreß in Wiesbaden. Erst bei Abnahme der klinischen und laborchemischen Symptome darf die Dosis reduziert werden.

Als "eiserne Regel" forderte Buttgereit, 20 mg Prednisolonäquivalent am Tag bei Arteriitis cranialis - bei PMR ohne Arteriitis cranialis 10 mg - in den ersten zwei Monaten nicht zu unterschreiten, da es sonst meist zum Rückfall komme. Danach darf die Dosis milligrammweise und sehr langsam bis zu einer Erhaltungsdosis von 1,5 bis sechs Milligramm, je nach den Symptomen, reduziert werden.

Wichtig ist, sich klar zu machen, daß Glukokortikoide die Erkrankung nicht ausheilen. Das tut sie meistens spontan nach ein bis zwei, manchmal allerdings erst nach bis zu zehn Jahren. Abgesetzt werden dürfen Glukokortikoide daher niemals vor Ablauf eines Jahres und danach auch nur bei Beschwerdefreiheit seit mindestens drei Monaten und normalen Entzündungsparametern. Die Blutsenkungs-Geschwindigkeit ist dabei oft noch nicht ganz normal.

Übrigens: Wenn 12,5 mg Prednisolonäquivalent nach drei bis vier Monaten nicht unterschritten werden können, ist von einer Therapieresistenz auszugehen, wie Buttgereit erläuterte. Dann sind zusätzlich Immunsuppressiva nötig, etwa Methotrexat, Azathioprin oder Cyclophosphamid.

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