Ärzte Zeitung, 29.05.2007

Therapieerfolg durch frühe Rheuma-Diagnose

Bei Verdacht auf Kollagenosen sollten Patienten zum Rheumatologen / Frühe Therapie mindert Gelenkerosionen

KÖLN (grue). Haben Patienten eine Gelenkschwellung über mehr als sechs Wochen, sollen sie an einen Rheumatologen überwiesen werden. Bei Verdacht auf Kollagenosen oder Vaskulitiden sollte dies noch schneller geschehen.

Geschwollene Fingergelenke einer Patientin mit Rheumatoider Arthritis: Querdruckschmerz ist ein typisches Symptom. Foto: Dr. Edmund Edelmann, Bad Aibling

Jeder zweite Patient mit Beschwerden am Bewegungsapparat geht zum Hausarzt. Dort werden zu je etwa einem Viertel Arthrosen und degenerative Wirbelsäulenerkrankungen diagnostiziert. Rheumatoide Arthritis (RA) und andere entzündliche Gelenkerkrankungen sowie Kollagenosen machen weniger als ein Prozent der Diagnosen aus.

Bei Verdacht auf eine der Krankheiten sollte stets ein Rheumatologe eingeschaltet werden. Diese Daten wurden bei einer Pri-Med-Fortbildung in Hannover vorgestellt. Bei der für Hausärzte konzipierten Fortbildungsreihe ist die "Ärzte Zeitung" Medienpartner.

"Haben Patienten außer Gelenkbeschwerden auch Fieber oder auffällige Befunde an Augen, Haut oder Gefäßen, sollte so schnell wie möglich ein Termin beim Facharzt organisiert werden", sagte die Rheumatologin Monika Antons aus Köln. Ansonsten wird bei erstmaligen Gelenkbeschwerden zunächst empirisch mit NSAR behandelt. Nach etwa zwei Wochen sollten die Patienten erneut untersucht werden.

Zu dem Zeitpunkt haben RA-Patienten oft schon einen Querdruckschmerz im Bereich der betroffenen Finger- oder Zehengelenke und eine ausgeprägte Morgensteifigkeit. Als Laborparameter sind nur BSG und CRP nötig, alles Weitere veranlasst der Rheumatologe. "Da auch normale Laborbefunde eine entzündlich-rheumatische Erkrankung nicht ganz ausschließen, sollte bei anhaltenden Beschwerden höchstens noch vier Wochen mit dem Facharztbesuch abgewartet werden".

Die möglichst frühe Diagnose der RA ist wichtig, um den Krankheitsverlauf medikamentös zu beeinflussen. "Bekommen die Patienten in den ersten zwei Jahren eine intensive Basistherapie, werden Gelenkerosionen verhindert", sagte Privatdozentin Andrea Rubbert-Roth von der Uni Köln. Eine komplette Remission könne erreicht werden, wenn die Therapie innerhalb der ersten drei Monate nach Symptombeginn startet.

Die Basistherapie besteht anfangs aus krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMARD, etwa Methotrexat) plus Kortikosteroiden. Schlägt die Therapie nicht an, wird sie intensiviert - etwa durch eine höhere Dosis oder die Kombination von zwei DMARD. "Wenn sich nach weiteren drei Monaten kein Erfolg eingestellt, kommen TNFα-Blocker zum Zug", sagte die Rheumatologin.

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