Ärzte Zeitung, 25.09.2007

Rheumatherapie wirkt auch arbeitsplatzerhaltend

Vorteil für Therapie-Eskalation mit Biological / Zahl der Tage krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit nimmt ab

HAMBURG (sir). Eine frühzeitige und konsequente Therapie mit einem TNFα-Blocker kann helfen, die Arbeitskraft von Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) zu erhalten. Das Behandlungsziel ist darüber hinaus die vollständige Remission bei allen Patienten mit Rheumatoider Arthritis.

Es genüge heute nicht mehr, dafür zu sorgen, dass ein Patient mit Rheumatoider Arthritis sein Medikament gut vertrage, und dass sich sein Zustand nicht verschlimmere. "Unser Ziel ist es, jeden Patienten in eine möglichst vollständige und dauerhafte Remission zu bringen - auch wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist." Dies betonte Professor Matthias Schneider vom Uniklinikum Düsseldorf. Dabei sei Remission klar definiert durch:

  • einen DAS 28 unter 2,6 Punkten
  • das Fehlen von druckschmerz-empfindlichen Gelenken
  • das Fehlen von geschwollenen Gelenken
  • einen Health Assessment Questionnaire (HAQ ) unter 0,5 Punkten (möglich sind 0 bis 3 Punkte)
  • ein Ansprechen gemäß den ACR70-Kriterien (70-prozentige Besserung der Symptome)

Sei dies mit einer Therapie nicht zu erreichen, so müsse nach spätestens drei Monaten die Therapie überdacht und eskaliert werden, so Schneider bei einer Veranstaltung von Abbott beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. Wichtig sei ein Therapiebeginn beim Rheumatologen innerhalb von sechs Monaten nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome.

Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist eine frühe und konsequente Behandlung von Patienten mit Rheumatoider Arthritis sinnvoll. Dies verdeutlichte Professor Krüger aus München am Beispiel der Erhaltung der Arbeitskraft. In einer aktuellen gesundheitsökonomischen Studie (DE032) wurde die Arbeitsunfähigkeit von insgesamt 664 Angestellten und von Hausfrauen mit früher RA erfasst. Die Krankheits-Fehltage konnten jeweils halbiert werden, wenn die Patienten außer der Basistherapie mit Methotrexat (MTX) noch zweiwöchentlich je 40 mg des TNFα-Hemmers Adalimumab (Humira®) erhielten. "Der Arbeitsausfall sank von 24 auf 11 und von 12 auf 6 Tage", zitierte Krüger die Studienergebnisse.

Dass die Therapie mit einem TNFα-Blocker sogar Arbeitsplatz erhaltend wirken kann, hat eine weitere Studie (PROWD-Studie) ergeben. Eingeschlossen waren 148 Patienten mit früher RA. "Innerhalb von 56 Wochen verloren 40 Prozent der nur mit MTX behandelten Patienten ihren Arbeitsplatz oder waren davon unmittelbar bedroht. In der Gruppe von Patienten, die eine Kombination von MTX mit Adalimumab erhielten, waren es dagegen nur 19 Prozent. "Auch hier haben sich die Zahlen halbiert" sagte der Rheumatologe.

STICHWORT

Disease Activity Score 28 (DAS 28)

Der Disease Activity Score 28 beurteilt klinische Parameter, Laborparameter (BSG oder CRP-Wert) und das Befinden des Patienten. Die mögliche Gesamtpunktzahl beträgt 0 bis 9 Punkte; DAS 28 unter 2,6 bedeutet Remission. Einbezogen werden 28 definierte Gelenke der Hände. Gezählt werden zum einen die geschwollenen Gelenke und zum anderen die Gelenke mit Druckschmerz.

Die Berechnung erfolgt anhand einer komplizierten Formel. Unter www.humira.de (Fachkreise/Rheumatoide Arthritis/Diagnostische Methoden-Score/Krankheitsaktivität) gibt es ein Programm zum Herunterladen oder zum Berechnen des DAS 28 online. (sir)

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