Ärzte Zeitung, 09.11.2007

Reiben der Oberarme - typisch bei Polymyalgie

Gefahr bei Polymyalgia rheumatica ist eine begleitende Arteriitis temporalis / Das zu erkennen ist entscheidend für die Prognose der Patienten

BERLIN (gvg). Wer sich bei der Beschreibung neu aufgetretener muskuloskeletaler Beschwerden symmetrisch die Oberarme reibt, hat oft eine Polymyalgia rheumatica. Vor allem wegen der Gefahr einer Arteriitis temporalis sollten diese Patienten nicht übersehen werden.

 Reiben der Oberarme - typisch bei Polymyalgie

Durch Streichen über die Oberarme beschreiben Patienten mit rheumatischer Polymyalgie ihre Beschwerden.

Foto: ill

Die Polymyalgia rheumatica ist nicht selten, aber sie wird oft nicht oder erst spät diagnostiziert. "In einer durchschnittlichen Arztpraxis mit 1500 Patienten haben im Mittel drei bis vier Patienten eine Polymyalgia rheumatica. Wenn nicht, sollte man nochmal nachsehen", riet Professor Bernhard Manger aus Erlangen.

Die Patienten sind meist älter als 50 Jahre, klagen über akute Schmerzen an Oberkörper und proximalen Extremitäten sowie über Steifigkeit. Sie fühlen sich krank und haben erhöhte Entzündungsparameter. "Typisch bei der Symptombeschreibung ist, dass die Patienten die Arme verschränken und sich mit den Händen über die Oberarme streichen", so Manger beim 1. Deutschen Internistentag in Berlin. Die Geste ist ein Hinweis auf den symmetrischen, rumpfnahen Schmerz. Ebenfalls wegweisend sei die Frage, wie die Patienten aus dem Auto steigen: Bei Polymyalgia heben sie erst das eine, dann das andere Bein heraus und ziehen sich am Chassis hoch.

Ebenfalls typisch ist eine orthopädische Anamnese, bei der die Patienten berichten, dass ihnen lokale Steroidinjektionen gut, aber jeweils nur für wenige Tage helfen. Das liege wahrscheinlich an der systemischen Wirkung der lokal injizierten Steroide, sagte Manger. Steroide p.o. sind daher die Therapie der Wahl. Als Startdosis empfiehlt Manger 20 mg am Tag. Nach etwa vier Monaten sollte man dann bei einer Dosis von 10 mg sein. Rückfälle sind relativ häufig, so dass die Patienten von Anfang an auf eine mehrjährige Therapie vorbereitet werden sollten.

Entscheidend für die Prognose ist, eine begleitende Arteriitis temporalis zu erkennen, weil diese in kurzer Zeit zur Erblindung führen kann. Die klassischen Symptome sind Claudicatio beim Kauen, Kopfschmerzen und eine druckschmerzhafte Temporalarterie. Die Diagnose wird per Biopsie gestellt. Die Therapie mit hoch dosierten Glukokortikoiden erfolgt schon bei Verdacht.

www.rheumanet.org hat mehr Infos zum Thema Rheuma

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