Dienstag, 2. September 2014
Ärzte Zeitung, 13.01.2009

Kinderwunsch bei Rheuma? Gut geplant spricht nichts dagegen!

Wollen Frauen mit Rheuma ihren Wunsch nach Nachwuchs realisieren, ist eine gute Therapie- planung nötig. Dann steht dem Kinderwunsch wenig entgegen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Schwangerschaft und Rheumatherapie müssen sich nicht widersprechen. Wichtig ist die ausführliche Beratung der Patientinnen.

Foto: Klaro

Wer wegen einer rheumatischen Erkrankung medikamentös therapiert wird, sollte sich gut beraten lassen, wenn die Familienplanung ansteht. Nicht alle Mittel sind für die Mutter gleich geeignet. Und auch bei Vätern gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Klar und allen bekannt ist, dass das viel eingesetzte Methotrexat nichts ist für Schwangere und auch nichts für Frauen, die es werden möchten. "Die Methotrexat-Therapie geht im ersten Trimenon mit einer Fehlbildungsrate von 10 bis 15 Prozent einher", betonte Professor Monika Oestensen vom Inselspital in Bern. Kritisch ist die sechste bis achte Schwangerschaftswoche. Weil aber auch vorher und nachher Probleme auftreten können, sollte MTX bei Kinderwunsch generell abgesetzt werden. Auch rheumakranke Väter in spe sollten auf MTX verzichten. Daten gebe es dazu zwar keine, so Oestensen. Weil theoretische Überlegungen aber sehr nahe legten, dass MTX Mutation erzeugen könne, empfahl sie eine dreimonatige Karenz vor einer möglichen Zeugung.

Bei Sulfasalazin ab Zeugung Folsäure substituieren!

Die zweite antirheumatische Substanz, bei der die Datenlage sehr deutlich gegen einen Einsatz in der Schwangerschaft spricht, ist Mycophenolat Mofetil. "Dieser Substanz wurde von der US-Zulassungsbehörde FDA kürzlich eine höhere Risikostufe zugewiesen, weil es bei 148 bekannten Schwangerschaften unter Therapie zu zwanzig Fehlbildungen kam", so Oestensen beim Rheuma-Kongress in Berlin.

Auf der anderen Seite des Spektrums stehen mehrere Präparate, die in der Schwangerschaft klar erlaubt sind. Entgegen früheren Empfehlungen sollte eine Therapie mit Chloroquin nicht beendet werden. "Für eine Dosis von 200 bis 400mg pro Tag gibt es dokumentierte Daten von über 500 Schwangerschaften, die kein erhöhtes Missbildungsrisiko und kein erhöhtes Risiko für Retina- oder Gehörschäden bei Kindern zeigen", betonte Oestensen. Auch Sulfasalazin ist unproblematisch. Hier ist es lediglich wichtig, den Frauen zu sagen, dass sie schon in der Zeugungsphase Folsäure substituieren sollten.

Geeignet sind etwa Azathioprin oder Ciclosporin.

Seitens der stärker wirksamen Präparate kommen für Schwangere Steroide bis zu einer Dosis von 15mg pro Tag, Azathioprin bis zu einer Dosis von 2mg pro Kilogramm pro Tag sowie Ciclosporin und Tacrolimus infrage. Bei diesen Präparaten hat die Transplantationsmedizin sehr viele Daten geliefert.

Bei vielen neueren antirheumatischen Therapien steht das letzte Wort dagegen noch aus. Bei Leflunomid sind die bisherigen Erfahrungen aus Kasuistiken, Registern und zum Teil kontrollierten Studien beruhigend günstig. So ist Leflunomid zwar in Tierversuchen teratogen. "Beim Menschen scheint das aber anders zu sein", sagte Oestensen. Im Leflunomid-Register des Herstellers gebe es bisher keine Hinweise auf eine erhöhte Fehlbildungsrate. Und auch eine kontrollierte Studie, bei der die Daten von 63 Frauen, die Leflunomid im ersten Trimenon erhalten hatten, verglichen wurden mit den Daten von 108 nicht exponierten Schwangeren, zeigte keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Daten zu TNFα-Blockern sind vielversprechend

Auch die Daten zu TNFα-Blockern sähen gut aus, so Dr. Rebecca Fischer-Betz von der Uni Düsseldorf. So gab es in einer prospektiven Studie mit 158 Frauen, die zeitweilig TNFα-Blocker in der Schwangerschaft eingenommen hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe keinen Unterschied bei Lebendgeburten, Aborten und Fehlbildungen. Zu Infliximab, Adalimumab und Etanercept gibt es außerdem Registerdaten, die das gleiche aussagen. "Was wir bisher nicht haben, sind Daten von Frauen, die TNFα-Blocker in der gesamten Schwangerschaft eingenommen haben", so Fischer-Betz. Keine Entwarnung, aber doch gute Nachrichten. Trotzdem gilt bis auf Weiteres für TNFα-Blocker und Leflunomid die Empfehlung, das Präparat bei einer Schwangerschaft abzusetzen und auch nicht unter Therapie zu stillen oder ein Kind zu zeugen.

Neue Leitlinien der Rheumatologen

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat zum Jahresende aktuelle Leitlinien zu Schwangerschaft und Rheumatherapie publiziert. Es gibt die Leitlinie und Patienteninfos zum Download:

www.dgrh.de/pharmakoschwanger.html

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