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Rheuma lässt auch die Gefäße leiden

Rheuma ist für das Herz genauso schlecht wie Diabetes: Beide Erkrankungen erhöhen das kardiovaskuläre Risiko.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:

Die Rheumatoide Arthritis (RA) manifestiert sich zwar primär in den Gelenken der betroffenen Patienten. Der Erkrankung zugrunde liegt bekanntlich jedoch ein systemischer Entzündungsprozess. Dieser Prozess wirkt auch negativ auf die Gefäße der RA-Patienten - und zwar genauso stark, wie ein Typ-2-Diabetes. Das hat erneut eine Studie bestätigt (Ann Rheum Dis 68, 2009, 1395).

Erfasst wurde die Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen (CVD) von etwa 350 RA-Patienten und anschließend mit jener von Typ-2-Diabetikern und gleichaltrigen Gesunden verglichen. Die Ergebnisse:

  • Gesunde: In der Gruppe der Nicht-Diabetiker und Nicht-Rheumatiker lag die CVD-Prävalenz bei fünf Prozent.
  • RA-Patienten: Hier lag die Prävalenz bei 12,9 Prozent.
  • Diabetiker: In der Gruppe von Patienten mit Diabetes Typ 2 betrug die Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen 12,4 Prozent.

Wurden Faktoren wie Alter und Geschlecht berücksichtigt, haben nach den Ergebnissen dieser Studie RA-Patienten ein fast dreifach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Bei Diabetikern ist das Risiko demnach zweifach erhöht. Unterschiede zeigten sich in der Manifestation der Gefäßerkrankung: Gab es bei Diabetikern einen erhöhten Anteil von Patienten mit pAVK, war bei den Rheumatikern die KHK vorherrschend.

Die Autoren nennen auch noch einmal die Gründe für das erhöhte Gefäßrisiko bei RA-Patienten: So seien Entzündungsprozesse in allen Stadien einer Atherosklerose bedeutsam. Die Entzündung lasse Fettablagerungen in Plaques entarten und verursache Plaquerupturen. Zudem wirke der Entzündungsprozess synergistisch zu den klassischen Risikofaktoren für die Gefäße.

Das Ausmaß kardiovaskulärer Erkrankungen bei RA-Patienten sei zudem mit der Schwere der Erkrankung verbunden. So ist eine hohe Krankheitsaktivität mit einer erhöhten kardiovaskulären Sterberate verbunden. Diese lasse sich mit antientzündlich wirkenden Arzneien wie TNFa-Blockern deutlich senken.

TNFa ist bekanntlich ein Schlüsselzytokin bei RA. Es wird sowohl im Fettgewebe als auch bei chronischer Überzuckerung bei Typ-2-Diabetikern gebildet. Der Entzündungsbotenstoff wirkt schädlich auf den Insulinstoffwechsel. Er kann zur Insulinresistenz führen, indem er die Tyrosinkinase-Aktivität des Insulinrezeptors vermindert. Interessanterweise kann die Blockade von TNFa bei RA-Patienten mit Diabetes Typ 2 zu einer schnellen und deutlichen Verbesserung der Insulinresistenz führen, merken die Autoren an.

www.eular.org

Lesen Sie dazu auch: Rheuma - fürs Herz so schlecht wie Diabetes Rheuma geht auch auf Lunge, Herz und sogar die Zähne Rheuma und Herzerkrankung Hand in Hand

Empfehlungen der europäischen Rheumaliga

Die EULAR hat Empfehlungen zum kardiovaskulären Risikomanagement bei Rheuma erarbeitet. Demnach sollte bei allen Patienten mit chronischer Arthritis jährlich das kardiovaskuläre Risiko mit Standardscores wie SCORE oder PROCAM ermittelt werden - vor allem auch nach jedem Therapiewechsel. Das Ergebnis sollte dann bei einem Teil der Patienten mit 1,5 multipliziert werden. Und zwar bei allen Patienten, die eine RA haben, ferner bei jenen, die länger als zehn Jahre eine andere chronisch-inflammatorische Arthritis haben, bei allen, bei denen Anti-Citrullin-Antikörper nachweisbar sind und bei allen mit stark extraartikulären Manifestationen ihrer Grunderkrankung. Die so modifizierte Risikoeinschätzung dient dann als Grundlage für das kardiovaskuläre Risikomanagement. (eb)

Lesen Sie dazu auch: Verdacht auf Psoriasis-Arthritis wird mit einem Fragebogen schnell geklärt

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