Ärzte Zeitung, 31.03.2010

Rheumatiker auch zum Zahnarzt überweisen!

Bei entzündlichem Rheuma sind oft auch die Zähne beteiligt. Bedeutsam ist der Zusammenhang mit einer Parodontitis. Wichtig zu wissen: Eine Parodontitis-Therapie reduziert die Krankheitsaktivität bei Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis.

Von Michael Hubert

WIESBADEN. "Rheumatologen brauchen einen guten Zahnarzt - nicht nur für sich selbst", sagte Professor Klaus Krüger beim Rheuma Update in Wiesbaden. So gebe es immer mehr Daten zur Vergesellschaftung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit jenen des Zahnhalteapparates. Ein Ergebnis: Bei Patienten mit Parodontitis ist das Risiko an einer Rheumatoiden Arthritis (RA) zu erkranken 2,6-fach erhöht, im Vergleich zu Zahngesunden. Bei Nichtrauchern mit Parodontitis ist das RA-Risiko sogar neunfach erhöht, sagte der Rheumatologe vom Praxiszentrum St. Bonifatius in München.

Rheumatiker auch zum Zahnarzt überweisen!

Bei Rheumatikern sollte ein Zahnarzt die Zähne und den Zahnhalteapparat regelmäßig kontrollieren. © Sandor Kacso / fotolia.com

Haben RA-Patienten eine Parodontitis, lohnt sich eine Therapie beim Dentisten auch aus rheumatologischer Sicht. So wurden in einer interdisziplinär in der Zahnheilkunde und der Rheumatologie vorgenommenen Studie 40 RA-Patienten mit Parodontitis in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt eine Parodontitis-Therapie, eine nicht.

Parodontitis-Therapie wirkt positiv aufs Rheuma

Bei allen zahnheilkundlich therapierten Patienten sank die RA-Krankheitsaktivität deutlich, so Krüger bei der von Abbott Immunology unterstützten Veranstaltung. Der Disease Activity Score 28 (0 bis 10 Punkte) sank um 1,6 Punkte, ohne Parodontitis-Therapie nur um 0,3 Punkte. Bei Patienten mit TNFα-Therapie sank der DAS 28-Wert um 1,4 versus 0,2.

Mittlerweile sind Forscher auch den pathophysiologischen Zusammenhängen von RA und Parodontitis auf die Spur gekommen, berichtete Krüger. So wurden citrullinierte Proteine und ein RA-spezifischer Glykoproteinkomplex in vivo in parodontitischem Gewebe nachgewiesen. "Ein Hinweis darauf, dass die Citrullinierung und die Bildung entsprechender Antikörper (CCP-Antikörper) möglicherweise im Zahnbett ihren Ausgang nehmen." Citrullinierte Proteine und CCP-Antikörper spielen eine wichtige Rolle in der Pathogenese der Rheumatoiden Arthritis.

Bei RA setzen besonders Zytokine wie IL-1, IL-6 und TNFα sowie Bindegewebszellen der Synovialmembran strukturschädigende Substanzen wie Prostaglandin E2 (PGE2) und Matrix-Metallo-Proteasen (MMP) frei. Erhöhte Werte dieser Substanzen werden auch bei Parodontitis-Patienten gefunden (wir berichteten). Auch bei Parodontitis sind IL-1, IL-6 und TNFα messbar, und während aktiver Phasen finden sich hohe Konzentrationen von PGE2 und MMP im parodontalen Gewebe.

Rheumatologe und Zahnarzt sollten eng kooperieren

"Unabhängig von den gemeinsamen Pathomechanismen ist die Auswirkung für den Alltag bedeutend", sagte Krüger. Seine Empfehlung: Die enge Kooperation mit einem kompetenten Zahnarzt sollte für den Rheumatologen nicht nur bei Patienten mit Sjögren-Syndrom - wegen der Mundtrockenheit und damit verbundener Folgen -, sondern auch bei RA-Patienten Pflicht sein.

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