Ärzte Zeitung, 01.06.2010

Ultraschall macht bei Rheumatoider Arthritis die Entzündung schon sehr früh sichtbar

Röntgen und MRT sind feste Bestandteile der Rheuma-Diagnostik. Die Sonografie mit Powerdoppler hat eine eigenständige Berechtigung: Mit ihr kann sogar der Therapieerfolg schnell identifiziert werden.

Von Simone Reisdorf

Ultraschall macht bei Rheumatoider Arthritis die Entzündung schon sehr früh sichtbar

Floride Synovitis im Metakarpophalangealgelenk 2 (B-Mode Grad 3, Powerdoppler-Mode Grad 3, dorsaler Längsschnitt).

Ultraschall macht bei Rheumatoider Arthritis die Entzündung schon sehr früh sichtbar

Erosion am Fingergrundgelenk 3 (MCP 3) mit florider Synovitis (Powerdoppler-Mode Grad 1-2). © (2) PD Marina Backhaus, Charité

Die besten Chancen auf eine Remission haben Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) bei früher Diagnose und Therapie. Wie gut diese Chancen in der Regelversorgung sind und welche Prädiktoren für eine Remission oder Chronifizierung sprechen, soll in der Kohortenstudie CAPEA* ermittelt werden. Dabei werden auch moderne bildgebende Verfahren eine wichtige Rolle spielen.

Die CAPEA-Studie unter Leitung von Gisela Westhoff vom Deutschen Rheumaforschungszentrum (DRFZ) ist im März dieses Jahres gestartet. Innerhalb eines Jahres sollen in 160 Einrichtungen bundesweit etwa 1500 Patienten mit Früharthritis aufgenommen werden. Es ist ein Follow-up von zwei Jahren mit fünf Dokumentationszeitpunkten geplant.

Westhoff definierte bei einer von Wyeth Pharma unterstützten Veranstaltung den Begriff Früharthritis: "Dabei handelt es sich um das Anfangsstadium vieler Gelenkerkrankungen, auch der Rheumatoiden Arthritis, in den ersten drei Monaten - mit oft unspezifischen Symptomen und mit einem selbstlimitierenden oder chronifizierenden Verlauf." In die CAPEA-Studie werden allerdings Patienten mit bis zu sechs Monaten Krankheitsdauer eingeschlossen.

Bei der Differenzialdiagnose der Gelenkerkrankungen, aber auch bei der Prognose und Therapiekontrolle der Rheumatoiden Arthritis (RA) spielen bildgebende Verfahren eine bedeutende Rolle, angefangen beim Röntgen, das schon lange zum Standard gehört. In einem assoziierten Projekt der CAPEA-Studie soll nun der Einsatz des Ultraschalls, genauer: der Powerdoppler-Sonografie bei RA-Patienten evaluiert werden. Dafür werden Schallköpfe mit einer Frequenz von mindestens 10 MHz verwendet, wie sie sonst beim Ultraschall der Schilddrüse oder der Gefäße eingesetzt werden.

"Mit Hilfe der PowerdopplerSonografie können wir den entzündlichen Weichteilprozess in den kleinen Gelenken erfassen", erläuterte Privatdozentin Marina Backhaus einen der Vorteile des Verfahrens. "Wir machen damit die Neoangiogenese sichtbar, die im Rahmen der Entzündung abläuft. Bei einem Therapieerfolg verschwindet dieser neue Gefäßbaum wieder, auch das können wir zeigen", so die Rheumatologin von der Charité Berlin.

Schon der einfache B-Ultraschall zeigt manchmal mehr, als ein Röntgenbild kann oder als der Untersucher zu tasten vermag - etwa eine Schwellung der Synovia auf der palmaren Seite der Fingergelenke. Mit dem Powerdoppler-Ultraschall und Farbkontrastmitteln lässt sich unabhängig davon nachweisen, ob eine aktive Entzündung vorliegt. "Der entzündliche Weichteilprozess in der Gelenkkapsel geht den Schwellungen und auch den Schmerzen oft lange voraus", betonte Backhaus. Das hatte sie auch in einer eigenen Studie mit 60 Patienten bei jedem fünften nachgewiesen.

Nicht nur zur Erstdiagnose, auch zur Verlaufsprognose eigne sich der Ultraschall, etwa in den Fingergrundgelenken. "Wenn bei Patienten zum Zeitpunkt Null eine Synovitis vorlag und diese auch nach sechs Monaten noch im Powerdopplerverfahren nachweisbar war, zeigten die betreffenden Patienten nach weiteren sechs Monaten auch eine Progression im Röntgen", präsentierte Backhaus die Ergebnisse einer weiteren Studie. "Und die Tenosynovitis einer bestimmten Sehne erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine erosive Progression um den Faktor vier."

Außer Synovitiden und Tenosynovitiden lassen sich mittels Powerdopplersonografie auch kleinste Knochenläsionen erfassen, solange sie nur oberflächlich sind, so Backhaus. "In einer kleineren Studie wurden bei 31 Prozent aller neuen Patienten mit unklarer Arthritis knöcherne Erosionen nachgewiesen, die im Röntgenbild noch nicht zu sehen waren. Dort werden solche Erosionen erst nach sechs Monaten sichtbar." Den Knochen durchdringen könne man aber mit dem Ultraschall nicht: "Hier liegt die Grenze - dafür sind die Schnittbilder der Magnetresonanz-Tomografie besser geeignet", räumte Backhaus ein.

Auf Nachfrage erklärte sie auch den Stellenwert der Szintigrafie: "Sie wird bei RA-Patienten kaum angewendet, denn sie ist zwar hochsensitiv, aber wenig spezifisch. Sie ist eher für Patienten mit Ganzkörperschmerz, etwa bei Fibromyalgie, geeignet, um zusätzliche Befunde wie Tumoren auszuschließen."

* CAPEA: Course and Prognosis of Early Arthritis

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