Rheuma

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Ärzte Zeitung, 22.02.2012

Rheuma ist fürs Herz so gefährlich wie Diabetes

Rheuma-Patienten haben ein doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall als die Allgemeinbevölkerung. Mit einem Fragebogen lassen sich die Begleiterkrankungen bei RA jetzt zuverlässig erfassen.

Von Wiebke Kathmann

Rheuma ist fürs Herz so gefährlich wie Diabetes

Um Rheuma-Patienten Herzschmerzen zu ersparen, sollte das kardiovaskuläre Risiko abgeklärt und früh behandelt werden.

© Paul von Stroheim / imago

MÜNCHEN. Patienten mit entzündlichem Rheuma haben ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Es ist ungefähr doppelt so hoch wie das der Allgemeinbevölkerung und damit ebenso hoch wie bei Diabetes-Patienten.

Noch hat sich dies allerdings nicht bis in jede Praxis herumgesprochen. Das soll sich durch Fortbildungsveranstaltungen für Hausärzte ändern, die der Rheumatologe Professor Klaus Krüger aus München zusammen mit Kardiologen ins Leben gerufen hat.

Die Datenlage ist eindeutig: Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA), aber auch anderen entzündlich rheumatischen Erkrankungen, haben ein signifikant erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre (KV) Erkrankungen und Ereignisse.

Risiko für ersten Herzinfarkt bei RA-Patienten erhöht

So haben zum Beispiel schwedische Wissenschaftler für eine Kohorte mit 7469 RA-Patienten nachgewiesen: Das Risiko für einen ersten Herzinfarkt im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist 1,6-fach erhöht (J Intern Med 2010; 268: 578).

Überraschend an dem Studienergebnis war, dass es sich nicht um eine Spätfolge der RA handelt; vielmehr war das Infarktrisiko bereits in den ersten vier Jahren nach Diagnosestellung erhöht.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die CARRÉ-Studie (Ann Rheum Dis 2009; 68: 1395). Im Vergleich zu Nicht-Diabetikern wiesen Diabetes-Patienten nach Anpassung für konventionelle KV-Risikofaktoren ein 2,0-fach erhöhtes Myokardinfarktrisiko auf, RA-Patienten sogar ein 2,7-fach erhöhtes Risiko. Dieses Resultat unterstreicht die dringende Notwendigkeit von primärpräventiven Interventionen.

Diesem Ziel fühlt sich Krüger verpflichtet und entwickelte einen Fragebogen, der es Kollegen leichter machen soll, diese wichtige Komorbidität zu erfassen. "Er enthält alle denkbaren Risikoaspekte, von der Familienanamnese und allgemeinen KV-Risikofaktoren über die Krankheitsaktivität bis hin zu möglichen schädigenden Medikamenten.

Sie werden zum Zeitpunkt 0 und nach einem Jahr erhoben. Ich selber markiere für den betreuenden Hausarzt alles in Rot, was bedenklich ist und abgeändert werden sollte und gebe den Fragebogen mit dem Brief mit", erläuterte Krüger im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Regelmäßige Erfassung einmal im Jahr hat sich nicht in der Praxis durchgesetzt

Die von der europäischen Rheumatologengesellschaft (EULAR) geforderte regelmäßige Erfassung - einmal im Jahr und dann nach einem Therapiewechsel - hat sich bisher in der Praxis nicht durchgesetzt - nicht zuletzt wegen des Fehlens finanzieller Anreize.

Zukünftig könnte sie aber in einigen Kassenärztlichen Vereinigungen im Rahmen der Rheumaverträge unter dem Stichwort Qualitätssicherung aufgenommen werden, hofft der Münchner Rheumatologe.

Ein anderer Weg zur Umsetzung dieses Anliegens könnte über den Nachweis führen, dass sich durch regelmäßige Erfassung des KV-Risikos und konsequente Intervention das Outcome der Rheumapatienten bessert. Er soll ab Jahresbeginn in einer nicht-interventionellen und außerdem in einer Interventionsstudie erbracht werden.

Verantwortlich für das kardiovaskuläre Risiko von RA-Patienten sind neben den bekannten Risikofaktoren für die Rheumaerkrankung typische Aspekte wie Ausmaß der Entzündung, Rheumafaktor-Status und Antikörper gegen citrullinierte Peptide (ACPA).

"Die Entzündung bestimmt ebenso über das Überleben und die KV-Ereignisrate wie ein Diabetes", betont Krüger. Daher stellt die effektive Kontrolle der Entzündung durch Basistherapeutika die entscheidende Intervention für Herz und Gefäße dar.

"RA ebenso ein wichtiger Risikofaktor wie ein Diabetes"

"Die Botschaft, dass die RA ein ebenso wichtiger unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor ist wie ein Diabetes, ist beim Hausarzt noch nicht ausreichend angekommen. Von Kardiologen wird dies inzwischen mehr und mehr akzeptiert," erklärte Krüger.

"Daher haben wir uns mit der interdisziplinären Fortbildungsveranstaltung und zukünftigen Aktivitäten mit dem Hausärzteverband das Ziel gesetzt, diese Information an Hausärzte heranzutragen," so Krüger weiter.

"Mein Part ist es, die Wertigkeit traditioneller Risikofaktoren bei Rheumaerkrankungen darzustellen. Rauchen und Diabetes kommen bei Rheumapatienten häufiger vor, die Hypertonie gleich häufig wie in der Allgemeinbevölkerung. Ich kläre auch über den etwas verwirrenden Zusammenhang zwischen Lipidspiegeln und Entzündungsaktivität auf, also darüber, dass der Anstieg des Cholesterins, aber eben auch des HDL-Cholesterins, unter einer erfolgreichen Rheumatherapie ein positives Zeichen ist - auch wenn die Lipidwerte ansteigen -, weil die Entzündung zurückgeht", sagte der Kardiologe.

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