Rheumatoide Arthritis

Prognose hängt vom Gewicht ab

Bereits bei Diagnose einer rheumatoiden Arthritis haben übergewichtige Patienten wohl eine geringere Chance auf eine Besserung der Symptomatik als normalgewichtige. Woran das liegt, sind sich die Forscher aber noch nicht sicher.

Veröffentlicht:
Übergewicht und Krankheitsverlauf einer RA hängen pathophysiologisch zusammen.

Übergewicht und Krankheitsverlauf einer RA hängen pathophysiologisch zusammen.

© Dr. Rieke Alten

STOCKHOLM. Es scheint pathophysiologisch auf der Hand zu liegen, dass es zwischen Übergewicht und dem Krankheitsverlauf einer rheumatoiden Arthritis (RA) einen Zusammenhang geben könnte.

Fettgewebe produziert u.a. Entzündungsmediatoren; Entzündungsprozesse wiederum sind ein möglicher Auslöser der RA. Die Vermutung liegt also nahe, dass für übergewichtige Menschen die Chance auf eine Besserung der RA-Symptomatik schlechter sein könnte als für normalgewichtige.

Dass sich diese Annahme bereits bei Diagnose der RA zu bewahrheiten scheint, haben Maria E.C. Sandberg und ihr Team vom Karolinska-Institut in Stockholm nun in einer epidemiologischen Studie gezeigt (Ann Rheum Dis 2014, online am 12. Mai ).

Mit BMI steigt Krankheitsaktivität

Sie stellten fest, dass übergewichtige Patienten (BMI = 25) mit neu diagnostizierter RA sechs Monate nach Studienbeginn eine um 51 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für eine niedrige Krankheitsaktivität hatten als Patienten mit einem BMI < 25 kg / m2 (Odds Ratio 0,49); auch das Erreichen einer Schmerz-Remission war für beleibtere Probanden weniger wahrscheinlich.

Eine statistisch signifikante Dosis-Wirkungs-Relation zwischen dem BMI und einer niedrigen Krankheitsaktivität, einem guten Therapieansprechen, einer Remission sowie überdurchschnittlichem Rückgang der Krankheitssymptomatik fand sich nach sechs Monaten.

Die Analyse umfasste Daten von insgesamt 495 Probanden mit neu diagnostizierter RA aus der schwedischen populationsbezogenen Epidemiological Investigation of Rheumatoid Arthritis (EIRA)-Studie (2006 bis 2009), die in dem Schwedischen Rheumatologie Qualitäts-Register (SQR) bis 2010 weiter verfolgt wurden.

Gesucht: Ursache der Assoziation

Die Studienautoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass ein bereits bei RA-Diagnose vorhandenes Übergewicht die Chance der Patienten auf eine gute Krankheitskontrolle in der initialen Phase senke.

Wie diese Assoziation allerdings zustande kommt, darüber können sie nur spekulieren: Möglicherweise ist es die proinflammatorische Aktivität des Fettgewebes, die sich auf die Krankheitsprogression auswirkt.

Oder das Übergewicht beeinflusst die Wirkung des Rheumamittels Methotrexat, immerhin bekamen 86 Prozent der Probanden diesen Wirkstoff nach Diagnose der RA.

Vielleicht ist es auch der "gesündere" Lebensstil mit mehr Bewegung und pflanzenreicher Ernährung, der einen vorteilhafteren Krankheitsverlauf für die normalgewichtigen Patienten herbeiführt.

Adjustiert auf diese Faktoren blieb der Zusammenhang aber trotzdem sichtbar. Es könnten also mehrere Mechanismen mit hineinspielen, bemerken die Autoren.

Für die Zukunft erhoffen sich die Wissenschaftler ein Vorhersagemodell für die Prognose der RA, welches all diese Faktoren berücksichtigt.

Zudem sollte in weiteren Studien geklärt werden, ob es sich positiv auf die Prognose auswirkt, wenn Patienten mit einer RA gewollt ihren Fettanteil reduzieren. (vsc)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Deutsche Real-World-Analyse

Frakturdiagnostik: Noch kann‘s Kollege KI nicht allein

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ärztliche Pflichttätigkeiten

Zehn Praxis-Tipps für die Leichenschau

Voraussetzungen für neue Kassenleistung

Lungenkrebs-Screening: Wie gut sind Praxen vorbereitet?

Schulterblick

Wie eine Wiesbadener Hausärztin ihre Praxis digitalisiert

Lesetipps
Formular 21 - wie es richtig ausgefüllt wird, war in den vergangenen Jahren nicht allen Ärzten klar.

© Fernando Gutierrez-Juarez / dpa / picture alliance

Bescheinigung eines erkrankten Kindes

Kinderkrankenschein: So wird Formular 21 richtig ausgefüllt

Ein Arzt lädt Daten in die E-Patientenakte hoch

© Daniel Karmann/dpa/picture alliance

Elektronische Patientenakte im Versorgungsalltag

Bei diesen ePA-Baustellen müssen Praxen auf Behelfslösungen setzen