Ärzte Zeitung, 15.09.2016

Rheuma und Familienplanung

Gut beraten kein Problem

Will eine Rheuma-Patientin schwanger werden, sorgt das sowohl bei Arzt als auch bei Patientin für Sorgen. Mittlerweile können sich allerdings immer mehr Frauen ihren Kinderwunsch erfüllen. Wichtig sind ist dabei eine gute Planung der Schwangerschaft - und Beratung.

Gut beraten kein Problem

Eine Schwangerschaft kann sich negativ auf den Verlauf einer rheumatischen Erkrankung auswirken. Doch immer mehr Frauen können sich ihren Kinderwunsch erfüllen.

© Franz Pfluegl / fotolia.com

FRANKFURT / MAIN. Rheumatische Erkrankungen und Familienplanung – für die Arzt-Patienten-Beziehung kann das eine besondere Herausforderung darstellen.

Umso wichtiger ist eine gute Beratung und Planung der Schwangerschaft, erinnerte Privatdozentin Dr. Rebecca Fischer-Betz vom Uniklinikum Düsseldorf, Sprecherin des Arbeitskreises "Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen" der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), beim Rheuma-Kongresses in Frankfurt am Main.

Dann sei es in 90 Prozent der Fälle gut möglich, eine komplikationslose Schwangerschaft zu erleben. "Mittlerweile ist es so, dass immer mehr Frauen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sich ihren Kinderwunsch erfüllen können", so Fischer-Betz.

Es herrscht oft Verunsicherung

Einer der Hauptgründe für die Sorge von Ärzten und Patientinnen sei es, dass sich Schwangerschaften auf den Verlauf und die Aktivität der zugrunde liegenden Erkrankung negativ auswirken könnten. Die Pharmakotherapie müsse an die Zeit vor, in und nach der Schwangerschaft angepasst werden.

Hier herrsche oft Verunsicherung, welche Mittel abgesetzt werden müssen oder fortgesetzt werden können und wie man Schübe in der Schwangerschaft behandeln könne.

Woher rührt diese Verunsicherung? Für Fischer-Betz gibt es zwei Gründe. Zum Einen gebe es kaum Studien zu Medikamentenverträglichkeit in der Schwangerschaft. "Wenn Medikamente zugelassen werden, dann gibt es keine Studien, die die Hersteller durchführen bei Schwangeren, im Gegenteil, diese Frauen werden ausgeschlossen", erklärt Fischer-Betz die Informationsknappheit.

Ein Wirrwarr von Informationen

Zwar könne sie die Gründe der Hersteller verstehen, Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere von den Studien auszuschließen. Doch ließen die Hersteller die Ärzte und Patienten damit alleine, wenn sie schwanger werden möchten.

"Deswegen ist dann der Informationsgehalt, gerade zu neuen Medikamenten, wenn sie zugelassen werden, häufig sehr gering", schlussfolgert Fischer-Betz.

Zum Zweiten gebe es noch immer ein Wirrwarr aus Falschinformationen, mit dem Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere konfrontiert würden, vor allem im Internet. "Es ist immer noch erschreckend, was manche Frauen für Informationen erhalten, wenn sie zum Beispiel ins Internet gehen, was sie nicht dürfen oder nicht einnehmen dürfen oder machen sollten."

Beratung kann Sorgen und Ängste abbauen

Umso wichtiger sei es für den beratenden Arzt, der Patientin in der Planung der Schwangerschaft zu Seite zu stehen, ermahnt Fischer-Betz. "Das ist auch die Aufgabe des Rheumatologen, das sicherzustellen, diese falschen Informationen klarzustellen und Sorgen und Ängste dann zu reduzieren."

Dabei verlaufe auch jede rheumatische Erkrankung anders bei einer Schwangerschaft. Patienten mit Spondylarthropathien erlebten meist gar keine Veränderungen in der Schwangerschaft.

Bei Frauen mit Kollagenosen, insbesondere einem systemischem Lupus erythematodes (SLE), bestehe bei einer Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko sowohl für einen Schub der Erkrankung als auch für eine geburtshilfliche Komplikation.

Planung ist besonders wichtig

Wie wichtig die Planung einer Schwangerschaft sei, demonstriere die 2015 veröffentlichte PROMISSE-Studie (Ann Intern Med. 2015; 163(3): 153-63). Über 80 Prozent der Schwangerschaften von Frauen mit inaktivem oder mild aktivem SLE verliefen ohne Komplikationen, in weniger als zehn Prozent wurden Frühgeburten oder unterentwickelte Neugeborene beobachtet.

Zudem trat ein schwerer Schub in weniger als fünf Prozent der Schwangerschaften auf. Bei Frauen, die einen Schub entwickelten, erhöhte sich dann allerdings das Risiko eines ungünstigen Schwangerschaftsausgangs im Vergleich zu stabilen Patientinnen auf das circa sechsfache.

Bei der Rheumatoiden Arthritis (RA) bessert sich die Erkrankungsaktivität bei etwa der Hälfte der Frauen während einer Schwangerschaft, bei der anderen Hälfte bleibt sie aber behandlungsbedürftig und es können auch schwere Schübe auftreten.

Dies trifft besonders oft zu bei Frauen mit schwererer, zum Beispiel sero-positiver RA und bei Frauen, die bei der Konzeption eine aktive Erkrankung aufweisen. Schübe beziehungsweise entzündliche Aktivität in der Schwangerschaft wirke sich negativ auf das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen auf, so Fischer-Betz. (mmr)

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