Ärzte Zeitung, 01.07.2004

Gekaute Khatbaumblätter machen Spermien fit für die Befruchtung

Inhaltsstoffe scheinen sich günstig auf Spermienfunktion auszuwirken

BERLIN (gvg). Inhaltsstoffe von Blättern des Khatbaums (Catha edulis), die in Ostafrika vor allem von Männern als Gesellschaftsdroge konsumiert werden, scheinen sich günstig auf die Spermienfunktion auszuwirken. Auch die Spermiogenese wird gefördert.

Das Kauen von Khatblättern hat eine stimulierende Wirkung, die vor allem auf dem Inhaltsstoff Cathinon beruht. Die Substanz wird nach Aufnahme durch den Körper rasch in die beiden adrenalinähnlichen Stoffe Cathin und Norephedrin umgewandelt.

"Wir konnten bei Spermien von Mäusen und Menschen zeigen, daß diese Substanzen die letzte Phase des Reifungsprozesses der Spermien fördern, die sogenannte Kapazitation", sagte Professor Lynn Fraser von der Klinik für Reproduktionsbiologie des King's College in London. Auch behielten mit Cathin und Norephedrin behandelte Spermien länger die Fähigkeit zur Befruchtung einer Eizelle als normale Spermien ohne diese Behandlung.

"Bisher haben wir nur in vitro-Versuche gemacht", so Fraser auf dem Kongreß der Europäischen Gesellschaft für menschliche Fortpflanzung und Embryologie (ESHRE) in Berlin. Die Konzentration der für die Versuche verwendeten Lösungen habe aber in etwa jener entsprochen, die man auch in den Körperflüssigkeiten von Menschen finde, die ungefähr eine Stunde lang Khatblätter gekaut hätten.

Eine andere Arbeitsgruppe konnte außerdem zeigen, daß sich mit Cathin auch die Spermienerzeugung stimulieren läßt. Deshalb hat Fraser für künftige Paare mit Fruchtbarkeitsproblemen schon einmal einen hypothetischen Therapieplan auf Khatbasis entworfen: "Mit der Einnahme von Cathin und Norephedrin anfangen sollten zunächst die Männer, um ihre Spermienproduktion zu stimulieren. Um den Zeitpunkt der erhofften Konzeption herum sollten dann die Frauen die Substanzen nehmen, denn die letzten Reifungsschritte des Spermiums finden bereits in der Gebärmutter statt", so die Ärztin. Zu Khatblattkauern machen möchte sie unfruchtbare Paare aber nicht. Ihr schwebt eher eine cathin- und norephedrinhaltige Tablette vor.

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