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Ärzte Zeitung, 22.09.2008

Melamin kristallisiert in Nierentubuli und macht Nekrosen

Milchskandal in China / Milchpulver für Babys mit Melamin versetzt / Über toxische Wirkung der Substanz ist bisher wenig bekannt

NEU-ISENBURG (gvg). Die Zahl erkrankter Babys durch verseuchte Milch in China ist bis zum Montag auf über 53 000 gestiegen. 13 000 werden in Kliniken behandelt, nachdem sie mit Melamin versetzte Milchprodukte getrunken haben. Vier Babys sind gestorben.

Foto: OOZ© www.fotolia.de

Mit dem Pigment Melanin hat das toxische Melamin nur sechs von sieben Buchstaben gemein. Was genau das Melamin im menschlichen Körper anrichtet, ist bisher nur ansatzweise bekannt. Melamin ist eine aromatische Verbindung, einer der wichtigsten Rohstoffe in der Holzwerkstoffindustrie. Vor allem hochwertige Kunstharze enthalten Melamin. Der Baumarktkunde kennt die sehr feuerresistente Substanz als Bestandteil von MDF-Platten. Auch in anderen Werkstoffen ist Melamin aus diesem Grund enthalten.

Toxikologische Informationen zu Melamin finden sich in einigen Stoffdatenbanken, etwa in der GESTIS-Datenbank des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitsschutz. Als besonders problematisch wurde der Stoff bisher nicht angesehen: "Die akute orale Toxizität wird als gering charakterisiert. (…) Trotz einer Vielzahl von Beschäftigten, die seit Jahrzehnten mit Melamin umgehen, sind gesundheitliche Störungen (…) nicht bekannt geworden", heißt es im GESTIS-Datenblatt. Mehrere von der "Ärzte Zeitung" angefragte Experten wollten sich gestern aufgrund der laufenden Debatten nicht öffentlich zu diesem Thema äußern.

Was über die medizinischen Wirkungen des Melamins auf die Niere bekannt ist, stammt im Wesentlichen aus zwei Skandalen der Jahre 2004 und 2006. Im Jahr 2006 wurde die Substanz - ebenfalls in China - eingesetzt, um eine Lieferung Tierfutter an die USA zu strecken. Die Folge waren diverse Haustiere, die an Nierenversagen starben. Mehrere Forschergruppen haben sich daraufhin die Tiere etwas genauer angesehen: Die Mehrheit der Katzen, die besagtes Tierfutter erhalten hatten, entwickelten Erbrechen und Polyurie sowie eine Azotämie, also Zeichen eines akuten Nierenversagens.

Histologisch zeigten sich in den distalen Tubuli Kristallbildungen und Nekrosen. Die Kristalle bestanden zu 30 Prozent aus Melamin und zu 70 Prozent aus Cyanursäure. Diese wird zur Herstellung von Desinfektionsmitteln und Lacken verwendet. Wie das Melamin war sie in dem kontaminierten Tierfutter enthalten, das die Katzen gefressen hatten.

Die These, die die American Veterinary Medical Association im Mai 2007 veröffentlichte, geht nun dahin, dass das Melamin erst im Zusammenhang mit bestimmten Komplexbildnern wie Cyanursäure seine fatalen Wirkungen auf die Niere entfaltet. Ob ein solcher Effekt auch im Falle des chinesischen Milchpulvers aufgetreten ist, wird derzeit von Experten in China untersucht.

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