Ärzte Zeitung, 17.12.2008

Konservative Therapie bei Mann mit Harnröhrenfistel erfolgreich

Crohn-Patient bereits nach acht Wochen medikamentöser Therapie beschwerdefrei

Konservative Therapie bei Mann mit Harnröhrenfistel erfolgreich

Urethrozystografie bei einem Mann mit Harnröhrenfistel vor Therapie. Fotos (2): Springer Medizin Verlag

ST. GALLEN (ner). Bei Morbus-Crohn-Patienten kann es selten zu rektourethralen Fistelungen kommen. Weil nach chirurgischer Behandlung mit Rezidiven zu rechnen ist, sprechen sich Urologen aus St. Gallen, wenn möglich, für die konservative Therapie aus. Sie schildern den erstaunlich guten Verlauf bei einem 50-Jährigen.

Bereits seit 30 Jahren war bei dem Patienten ein Morbus Crohn bekannt, berichten Dr. Christoph Schwab von der Klinik für Urologie am Kantonsspital St. Gallen und seine Kollegen (Urologe 47, 2008, 1350).

Der Mann hatte bereits viele Operationen am Darm oder wegen perianaler und inguinaler Fisteln sowie Abszessen hinter sich. Nun war er notfallmäßig mit Fieber und perianaler Vorwölbung vorgestellt worden. Zudem schilderte er Miktionsprobleme mit initialer Makrohämaturie und ausgeprägtem Nachträufeln. Außerdem bildete sich während des Wasserlassens am Penis ein prallelastischer Tumor mit einem Durchmesser von etwa 3 cm.

Die Urethro-/Miktionszystourethrografie ergab schließlich eine ausgedehnte paraurethrale Fistel mit parabulbärer Höhle. Diese Höhle füllte sich während der Miktion mit Urin. Per Urethrozystoskopie fand Schwab einen 2,5 cm großen Harnröhrendefekt mit blind endendem Fistelgang in Richtung des äußeren Urethralsphinkters.

Die Urologen entschlossen sich gemeinsam mit Gastroenterologen und Chirurgen zu einer zweiwöchigen oralen Therapie mit Ciprofloxacin und Metronidazol. Der Urin wurde über einen suprapubischen Katheter abgeleitet.

Konservative Therapie bei Mann mit Harnröhrenfistel erfolgreich

Urethrozystografie bei einem Mann mit Harnröhrenfistel acht Wochen nach Therapie. Fotos (2): Springer Medizin Verlag

Zusätzlich erhielt der Patient einmal 50 mg Azathioprin täglich, nach zwei Wochen 75 mg pro Tag bei regelmäßiger Kontrolle der Transaminasen. Bereits nach acht Wochen war der Patient beschwerdefrei, die Spontanmiktion gelang problemlos. Die Schwellung hatte sich zurückgebildet. Nach zwei Monaten sowie nach einem Jahr waren weder Fistel noch paraurethrale Höhle nachweisbar.

Schwab und seine Kollegen weisen darauf hin, dass Patienten mit rektourethralen Fisteln meist operiert werden. Die Einführung teilweise neuer Immunsuppressiva für Crohn-Patienten habe jedoch Alternativen eröffnet, wobei die Therapieentscheidung sich nach dem Allgemeinzustand richten und Langzeitfolgen von Immunsuppressiva beachtet werden müssten. Für die anhaltende Remission sei meist die medikamentöse Langzeittherapie erforderlich.

Enterourethrale Fistel

Klinische Symptome bei Fisteln zwischen Darm und Urethra/Blase sind:

  • Pneumaturie
  • Fäkalurie
  • rezidivierende Harnwegsinfekte
  • Dysurie
  • eitriger Harnröhrenausfluss

Zur Therapieplanung ist eine umfassende bildgebende Diagnostik erforderlich mit Koloskopie, Urethrozystoskopie, Urethro-/Miktionszystourethrographie (UCG/ MCUG) sowie pelviner Magnetresonanztomografie oder Computertomografie. (ner)

Urologe 47, 2008, 1350

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