Ärzte Zeitung, 27.04.2010
Wer schlank bleibt, hält im Alter seinen Testosteron-Spiegel
Der Testosteron-Spiegel sinkt bei Männern
nicht zwangsläufig mit dem Alter. Aber: Viele
Komorbiditäten gehen mit Testosteronmangel einher.
Von Thomas Meißner
WIESBADEN. Beim Internistenkongress in
Wiesbaden verwies Professor Michael Zitzmann aus Münster auf
eine große europäische Querschnittsstudie, in der
kein altersabhängiger Abfall der Testosteronwerte registriert
werden konnte. Mit zunehmendem Bauchumfang allerdings sinkt dieser
Hormonspiegel. "Wer schlank bleibt, dessen Spiegel bleibt im
Allgemeinen gleich", sagte der Endokrinologe. Dies ist jedoch im
Bevölkerungsdurchschnitt immer weniger der Fall.

© Marcin Kempski / fotolia.com
Die Testosteronmangel-abhängigen Beschwerden setzen
bei unterschiedlichen Hormonspiegeln ein. So wird bei Spiegeln unter 15
nmol/l ein Libidoverlust wahrscheinlicher, unter 10 nmol/l nimmt die
Wahrscheinlichkeit für depressive Symptome und
Schlafstörungen zu, Hitzewallungen und erektile Dysfunktion
werden meist erst ab unter 8 nmol/l beobachtet. Bei
Testosteron-Spiegeln unter 8,7 nmol/l ist in einer Studie ein
erhöhtes Sterberisiko festgestellt worden - dies habe
offensichtlich etwas mit den Komorbiditäten zu tun, so
Zitzmann.
Insgesamt sei ein Testosteronmangel in der männlichen
Bevölkerung relativ selten; etwa fünf Prozent seien
davon betroffen. In der Allgemeinarztpraxis müsse jedoch je
nach Alter der männlichen Patienten bei 30 bis 50 Prozent mit
symptomatischem Testosteronmangelerscheinungen gerechnet werden.
Bestehe Übergewicht, ein Diabetes mellitus, Hypertonie oder
Dyslipidämie, erhöhten diese Faktoren die
Wahrscheinlichkeit dafür.
Mit der zunehmenden Häufigkeit des Metabolischen
Syndroms in der Bevölkerung muss vermehrt auch mit
hypogonadalen Patienten gerechnet werden. Zitzmann sprach sich
für eine Kombination üblicher Therapieverfahren mit
der Testosteron-Substitution aus und zitierte eine Studie mit neu
diagnostizierten und hypogonadalen Typ-2-Diabetikern. In der
Pilotstudie mit 32 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 70 Jahren nahm
mit Ernährungs- und Bewegungstherapie in Kombination mit
Testosterongel der Bauchumfang von anfangs knapp 108 cm auf 93 cm ab,
also um 15 cm innerhalb eines Jahres. In der Vergleichsgruppe ohne
Testosteron reduzierte sich der Bauchumfang um lediglich 6,7 cm.
Außerdem sank in der Testosteron-Gruppe der HbA1c-Wert
deutlich stärker, nämlich vom Ausgangswert 7,5 auf
6,3, in der Kontrollgruppe dagegen nur auf 7,1 Prozent - ein Effekt wie
er etwa auch unter einem Gliptin beobachtet worden sei, so Zitzmann.
Testosteron habe demgegenüber jedoch den Vorteil, noch viele
weitere Körperfunktion positiv zu beeinflussen.
Ein Sicherheitsproblem sieht Zitzmann nicht. So habe eine
Langzeitstudie mit mehr als 1000 Teilnehmern bestätigt, dass
es unter Testosterontherapie keine Zunahme von
Prostatakrebserkrankungen gebe. Auch der PSA-Wert verändere
sich unter der Substitution nicht, weder bei jungen hypogonadalen
Männern noch bei über 60-Jährigen. Zitzmann:
"Das substituierte Testosteron kommt in der Prostata nicht an im
Unterschied zu dem in den Hoden produzierten Testosteron." Der
Endokrinologe rät dennoch, im ersten Behandlungsjahr
dreimonatlich den PSA-Wert zu kontrollieren, um eventuell bei
Therapiebeginn bereits bestehende Prostatatumore nicht zu
übersehen, und auch den Hämatokrit im Auge zu
behalten, da die Hämatopoese angeregt wird.

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