Ärzte Zeitung, 07.03.2014

Nykturie

Trinkplan kann Entlastung schaffen

Männer mit einer 24-h-Urinproduktion von mehr als 30 ml/kg Körpergewicht können ihre nächtliche Polyurie mindern, indem sie ihr Trinkvolumen nach einer vorgegebenen Anleitung reduzieren.

NARA/JAPAN. Wer nachts mehrmals zur Toilette muss, hat einen gestörten Schlaf. Solche Unterbrechungen der Nachtruhe können gesundheitliche Folgen haben. Zu den Ursachen der Nykturie wird neben zahlreichen Erkrankungen auch eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme gerechnet.

Ob ein Plan für die täglichen Trinkmengen hilfreich ist, um den nächtlichen Harndrang zu drosseln, haben Mitsuru Tani und Kollegen von der Medical University School of Medicine in Nara, Japan, untersucht (Int J Urol 2014, online 9. Januar).

67 männliche Probanden, die nachts zwischen zwei- und elfmal Wasserlassen mussten, reduzierten ihre Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr so, dass sie innerhalb von 24 Stunden maximal 30 ml / kg Körpergewicht Urin produzierten.

Die Probanden nahmen täglich etwa zwei Prozent ihres Körpergewichts an Wasser zu sich bzw. tranken, wenn sie durstig waren. 28 der Probanden wurden wegen einer benignen Prostatahyperplasie mit einem Alpha-1-Blocker behandelt, 15 Patienten mit überaktiver Blase erhielten im Vorfeld der Studie ein Anticholinergikum.

Einen Monat nach dieser Maßnahme wurden Parameter wie Blutdruck und verschiedene Laborwerte der 65 verbliebenen Patienten im Durchschnittsalter von 72 Jahren mit den Ausgangsbefunden verglichen.

Die 24-h-Urinproduktion hatte sich nach der einschränkenden Maßnahme im Schnitt um insgesamt 612 ml und um 10,3 ml / kg Körpergewicht reduziert, das nächtliche Urinvolumen um 300 ml und die schlafstörenden Toilettenbesuche waren von durchschnittlich vier auf drei gesunken.

Im Schnitt tranken die Männer innerhalb von 24 Stunden 402 ml weniger als vor der Maßnahme. Der Trinkplan ersparte 67 Prozent der Männer mindestens einen nächtlichen Toilettengang.

Tages-Trinkvolumen entscheidend

Ein positiver Zusammenhang wurde zwischen der Änderung des nächtlichen Urinvolumens von 22 bis 6 Uhr und der 24-h-Harnproduktion / Körpergewicht, dem 24-h- sowie dem Tages-Trinkvolumen deutlich.

Kein Effekt zeigte sich dagegen, wenn das Trinkvolumen am Abend reduziert wurde. Keiner der Teilnehmer klagte über Durst. Auch sonstige ungünstige Begleiterscheinungen, etwa Zeichen einer Dehydration, traten nicht auf.

Für Patienten, die innerhalb von 24 Stunden mehr als 30 ml / kg Körpergewicht an Urin produzieren und an einer Nykturie leiden, kann es sinnvoll sein, bevor eine medikamentöse Behandlung begonnen wird, zunächst einen Trinkplan im Rahmen einer Lebensstiltherapie aufzustellen.

Dabei ist es wichtig, die Flüssigkeitsaufnahme nicht nur am Abend, sondern auch über den ganzen Tag hinweg zu drosseln. Möglicherweise, so die Autoren, könnten mit einer Salzrestriktion weitere Erfolge erzielt werden.

Allerdings wird die Aussagekraft der Studie durch einige Schwächen beeinflusst. So fanden BMI, Alkohol- und Kaffeekonsum sowie die unterschiedliche Schlafdauer der Probanden keine Berücksichtigung. Zudem fehlte eine Vergleichsgruppe, weshalb die Zusammenhänge zunächst in einer prospektiven kontrollierten Studie bestätigt werden sollten. (St)

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