Ärzte Zeitung online, 28.05.2014

Röntgenkongress

Mehr Durchblick bei der Endometriose

Wenn bei schwerer Endometriose medikamentöse Therapien nicht helfen, ist eine Operation indiziert. Chirurgen müssen dann genau wissen, wo die Herde sind. In diesem Fall ist die MRT eine wichtige Diagnostik - und Wegweiser für den Operateur.

Von Gabriele Wagner

HAMBURG. Die Probleme bei Endometriose sind zum einen die versprengten Uterusschleimhaut-Inseln, die zyklus- und damit hormonabhängig Sekrete produzieren, egal wo im Körper sie sich befinden. Das kann zum Beispiel bei Harnblasenbefall zu heftigen Miktionsbeschwerden führen, bei Darmbefall zu heftigen Bauchschmerzen und Stuhlgangsproblemen. Oder die betroffenen Frauen sind zum Beispiel bei Befall der Ovarien und in Tubennähe unfruchtbar.

Zum anderen können sich diese versprengten Schleimhaut-Inseln überall im Bauchraum befinden. Je kleiner sie sind und je tiefer sie in den Geweben verborgen liegen, desto schwieriger wird es für Chirurgen, sie zu finden und zu entfernen.

Ultraschall hilft oft nicht weiter, etwa bei dickeren Patientinnen und wegen der oft störenden Darmgasüberlagerungen. Zudem ist diese Methode stark abhängig Untersucher. Und die einzelnen Bilder helfen Chirurgen oft bei der so wichtigen genauen räumlichen Zuordnung nicht weiter.

Was kann nun die Magnetresonanztomografie (MRT) beitragen, um die Herde eindeutig zu identifizieren? Dieser Frage ist Dr. des. Julia Wenzel von der Universität Gießen-Marburg mit Kollegen in einer Studie mit 131 Patientinnen nachgegangen. Eine bessere Diagnostik ist nämlich auch deshalb von Bedeutung, weil die Endometriose-Prävalenz bei zehn Prozent liegt.

Damit ist die Endometriose eine der häufigsten gynäkologischen Diagnosen bei Frauen im gebärfähigen Alter, wie Wenzel bei der Vorstellung ihrer Studienergebnisse am Mittwoch bei dem 95. Deutschen Röntgenkongress in Hamburg sagte. Und der Leidensdruck ist oft hoch, egal ob eine zusätzliche Infertilität resultiert oder nicht.

Zwischen 2003 und 2011 wurde bei 131 Patientinnen mit klinischer Endometriose präoperativ eine MRT gemacht. Postoperativ wurden die MRT-Diagnosen mit den histopathologischen Befunden verglichen. Unterteilt wurde in Herde, die im vorderen (n=34), mittleren (n=123) und hinteren Bauchraum (n=150) gefunden wurden sowie in sonstige Herde (n=85), zum Beispiel in Adhäsionen zwischen Organen.

Von den insgesamt 392 Endometrioseherden, die histopathologisch nachgewiesen wurden, wurden mittels MRT insgesamt 81 Prozent richtig erkannt. Die Trefferquote variiert je nach Kompartment. Bei den Endometrioseherden im hinteren Bauchraum und speziell bei Herden am Darm war die diagnostische Sicherheit der MRT mit fast 90 Prozent am besten. Das ist wichtig, weil diese Herde intraoperativ oft übersehen werden.

Bei knapp 80 Prozent lag die Trefferquote mit MRT im mittleren Bauchraum; bei etwa 58 Prozent im vorderen Bauchraum. Von den sonstigen Herden wurden fast alle präoperativ identifiziert. Gründe, warum die Trefferquote in den verschiedenen Bauchkompartimenten so unterschiedlich ist, ist zum einen die sehr unterschiedliche Ausprägung der Herde: Sie können zystisch, knotig oder als Adhäsion und Verdickung imponieren.

Zum anderen sind die Herdgrößen wichtig für die Sichtbarkeit, wie Wenzel sagte. So haben Herde im vorderen Kompartiment eine durchschnittliche Größe von 1,8 Zentimetern, in den anderen Kompartimenten liegt die durchschnittliche Größe laut Wenzel zwischen 2,2 und 2,6 cm.

Wenzel und ihre Kollegen haben sich nach Sichtung der histopathologischen Befunde noch mal hingesetzt und geschaut, ob die zunächst in der MRT übersehenen Herde nicht doch hätten gefunden werden können. Das traf tatsächlich auf einen Teil der zunächst nicht diagnostizierten Herde zu. Und das erhöht natürlich auch die Lernkurve.

"Insgesamt können wir eine präoperative MRT bei Patientinnen auf jeden Fall empfehlen", betonte Wenzel. Heißt das nun, dass jede Frau mit der Verdachtsdiagnose oder bei klinisch diagnostizierter Diagnose ins MRT sollte? Nein. "Wenn im Ultraschall zum Beispiel Eierstockzysten nachgewiesen wurden und es keine typischen Endometriosebeschwerden gibt, ist eine MRT nicht notwendig", sagte Wenzel auf Nachfrage.

Aber die MRT sei in jedem Fall eine Option, um möglichst alle Herde aufzuspüren, wenn eine Operation geplant ist. So erhöhe sich die Chance der Patientinnen, nach dem Eingriff beschwerdefrei zu sein. Und Chirurgen haben bei den durchgehenden MRT-Sequenzen in den verschiedenen Ebenen eine gute räumliche Orientierungsmöglichkeit.

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