Ärzte Zeitung, 05.08.2015

Urologen-Kongress

Urologen sind nicht nur für Männer da

Urologen behandeln auch Frauen und Kinder. Das ist in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt. Und in der Medizin wird diese Kompetenz vielfach ignoriert. Diese Botschaft soll in diesem Jahr beim Urologen-Kongress in Hamburg in die Öffentlichkeit getragen werden.

HAMBURG. Urologen sind nicht nur für Männer und deren Prostata da! Diese Botschaft soll in diesem Jahr beim Urologenkongress in Hamburg mit dem Kongressmotto "Urologie umfasst mehr" verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden.

DGU-Präsident Professor Stephan Roth aus Wuppertal setzt dabei besonders hinter zwei Subdisziplinen Ausrufezeichen: die Kinderurologie und die Urogynäkologie. "Wenn Kinderchirurgen an universitären Kliniken vielfach urologisch erkrankte Kinder behandeln, dann bekommen wir zunehmend ein Nachwuchsproblem in der Kinderurologie", betont Roth im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Fachkompetenz ergebe sich nicht auf der Grundlage von Altersdefinitionen, sondern aus Methodenkompetenz. Diese müssten die Urologen verstärkt herausstellen, fordert er. Die DGU nutzt deshalb zum Beispiel verstärkt soziale Medien für die Aufklärung über kinderurologische Themen.

Auch bei funktionellen urologischen Erkrankungen der Frau müsse die Kompetenz der Urologie erkennbar bleiben, schreibt Roth in seiner Kongresseinladung. Ein freiwilliger Verzicht auf die Behandlung von Patientinnen mit urogynäkologischen Krankheiten wie der Belastungsinkontinenz bedeute, vorhandenes Fachwissen zum Nachteil der Betroffenen aufzugeben.

Wie bereits in den vergangenen Jahren nutzt die DGU ihren europaweit und international beachteten Jahreskongress, um sich Gedanken über die künftige Versorgung urologisch erkrankter Kinder, Männer und Frauen zu machen.

Roth wird dazu sieben Thesen zur Zukunft der Urologie zur Diskussion stellen. Im Kern geht es ihm dabei um eine verstärkte Vernetzung von stationär-klinischer Versorgung mit einer vom Leistungsangebot her breit aufgestellten ambulanten Urologie. Roth: "Wir brauchen kooperierende urologische Praxen und Krankenhäuser, die jeweils spezifische Schwerpunkte abdecken."

Wichtig ist dabei die Einbindung Medizinischer Fachangestellter und urologisch ausgebildeter Pflegekräfte. Ab 2016 wird die Akademie der Deutschen Urologen das Ausbildungsmodul "Assistenten für Urologische Kontinenztherapie" anbieten. Ziel ist es, dass Patienten flächendeckend und unkompliziert kompetente Ansprechpartner in Praxen und Kliniken vorfinden sollen. (ner)

Infos und Anmeldung zum DGU-Kongress: www.dgu-kongress.de

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