Ärzte Zeitung, 13.10.2016

Zystenniere

Hauptsache keine Dialyse!

Patienten mit autosomaldominanter polyzystischer Nierenerkrankung profitieren von einer Therapie mit Tolvaptan. Nötig sind in der Praxis genaue Aufklärung und enge Führung der Nierenkranken.

Von Marco Mrusek

FRANKFURT / MAIN. Patienten mit autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD) können seit einem Jahr mit der speziell für sie zugelassenen Arznei Tolvaptan (Jinarc®) behandelt werden. Klinische Studien haben belegt, dass damit die Progression der Erkrankung verzögert werden kann.

Auch in der Praxis profitieren ADPKD-Patienten von dieser Therapie. Wichtig sind dabei genaue Aufklärung und enge Führung der Nierenkranken.

ADPKD betrifft rund 50.000 Menschen in Deutschland, sie ist eine der häufigsten Erbkrankheiten und die vierthäufigste Ursache für Nierenversagen. Dabei bilden sich flüssigkeitsgefüllte Zysten im Nierenparenchym und dehnen sich immer weiter aus. Dies führt zu einer erheblichen Vergrößerung des gesamten Nierenvolumens.

Das Zystenwachstum verursacht eine fortschreitende Nierenschädigung, die bei den meisten Betroffenen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren in Nierenversagen mündet und eine Nierenersatztherapie nötig macht. Manche Betroffene leiden zum Beispiel an Hypertonie, abdominellen Schmerzen und Nierensteinen.

Zielgerichtete Wirkung

Bis vor einem Jahr war es nur möglich, Symptome zu lindern und zum Teil die Begleiterkrankungen zu behandeln. Anders Tolvaptan, das zielgerichtet den pathophysiologischen Ursachen der Erkrankung entgegen wirkt. Es verlangsame die Progression von Zystenentwicklung und Nierenfunktionsverlust bei erwachsenen Patienten.

Studien haben ergeben, dass sich die jährliche Nierenvolumen-Anstiegsrate von Patienten mit Tolvaptan im Vergleich zu Placebo signifikant verlangsamt (2,8 versus 5,5 Prozent). Die Patienten profitierten von einer relativen Reduktion des Nierenvolumenwachstums um knapp die Hälfte (49 Prozent).

Außerdem ergab sich eine Minderung des Nierenfunktionsverlustes. Damit lasse sich die Krankheitsprogression um ein Jahr je 3,6 Behandlungsjahre mit Tolvaptan aufschieben, erklärte Privatdozent Dr. Christian Haas vom Universitätsklinikum Lübeck bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main.

Patienten müssen Medikament genau erklärt bekommen

Für den Erfolg der Therapie sei eine enge Patientenführung wichtig, ergänzte Professor Nicholas Obermüller vom Universitätsklinikum Frankfurt. Der behandelnde Arzt sollte dem Patienten die durch den Wirkmechanismus von Tolvaptan bedingte Steigerung der Aquarese genau erklären und ihm Maßnahmen zum richtigen Umgang mit großer Trinkmenge und Polyurie aufzeigen.

Dies könne man gut mit den nötigen regelmäßigen Kontrolluntersuchungen der Leberwerte verbinden. So könne die Tolvaptan-Therapie meist problemlos in das Alltagsleben integriert werden. Das konnte auch ein anwesender 54-jähriger Patient bestätigen.

Obermüller empfahl bei der vom Unternehmen Otsuka unterstützten Veranstaltung, die Behandlung am bestem am Wochenende, nicht jedoch bei großer Sommerhitze zu beginnen. Anhand von Patientenfällen aus seiner Klinik demonstrierte Obermüller den Verlauf der Tolvaptan-Therapie und das Behandlungsmanagement.

Die Patienten hätten sich im Alltag gut auf die Trink- und Urinmengen eingestellt, sie hätten stabile Blut- und Nierenfunktionswerte und es seien keine Leberenzymerhöhungen aufgetreten.

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