Ärzte Zeitung online, 29.11.2012

Potent durch Stent

Gefäßstütze für die Erektion

Erektionsprobleme trotz PDE-5-Hemmer: Kollegen aus den USA wollen diesen Patienten mit Gefäßstützen helfen. In einer Machbarkeitsstudie zeigten die Stents ihre "stützende" Wirkung.

"Stütze" auch bei erektiler Dysfunktion?

Ob in diesem Fall wirklich ein Stent hilft?

© Julian Stratenschulte / dpa

SACRAMENTO. Risikofaktoren wie Hypertonie oder Diabetes sind nicht nur an der Entwicklung von atherosklerotisch bedingten Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit (KHK) beteiligt, sondern auch mit erektiler Dysfunktion (ED) assoziiert.

Die ED gilt bei kardiovaskulären Erkrankungen als Indikator für eine generalisierte Atherosklerose im Gefäßsystem.

Die Möglichkeit einer atherosklerotischen Genese der ED hat US-Forscher um Dr. Jason Rogers aus Sacramento auf die Idee gebracht, Stents als mögliche mechanische Therapieoption für Männer mit Erektionsproblemen in Betracht zu ziehen.

Bestärkt sah sich das Team durch Ergebnisse einer eigenen Pilotstudie. In dieser Studie hatten Rogers und seine Kollegen bei zehn Männern, die wegen KHK-Beschwerden zur Koronarangiografie kamen, zusätzlich eine Angiografie der Beckenarterien vorgenommen, um möglichen stenotischen Gefäßläsionen in der Arteria pudenda interna auf die Spur zu kommen. Sie versorgt die äußeren Genitalien und die Schwellkörper mit Blut.

Festgestellt wurde, dass der anatomische Befund in den Koronararterien eng mit dem Gefäßbefund in der Arteria pudenda korrelierte: Waren in der koronaren Strombahn stenosierende Läsionen vorhanden, fanden sich entsprechende Veränderungen zu 100 Prozent auch in der Beckenarterie.

Rogers Team hat darauf hin eine größere Studie zur Frage der Sicherheit "Machbarkeit" einer stentbasierten ED-Therapie in Angriff genommen. Ihre Ergebnisse sind jetzt publiziert worden (JACC 2012; online 21. November).

Bekanntlich hat die ED vielfältige Ursachen. Die speziell für eine invasive revaskularisierende ED-Therapie geeigneten Männer zu finden, erwies sich deshalb als schwieriges Unterfangen.

Noch keine Option für breite Kreise

Immerhin mussten die Untersucher 383 Männer in ein Screening einbeziehen, um schließlich 30 ausfindig zu machen, die für eine Stent-Behandlung infrage kamen. Alle 30 ausgewählten Teilnehmer waren Männer mit ED, bei denen PDE-5-Hemmer keine ausreichende Wirkung mehr gezeigt hatten.

Zur Beseitigung von Stenosen in der Arteria pudenda interna wurden bei 19 Probanden unilateral insgesamt 27 Stents und bei elf Teilnehmern bilateral insgesamt 29 Stents implantiert. Verwendet wurden ausschließlich den Wirkstoff Zotarolimus freisetzende Stents (Zotarolimus-eluting stents).

Die perkutane kathetergestützte Stent-Behandlung erwies sich als sicher: Innerhalb der ersten 30 Tage waren keine relevanten Komplikationen wie perineale Nekrosen, Stent-Thrombosen oder arterielle Embolien zu verzeichnen.

Bei den meisten Studienteilnehmern resultierte auch eine günstige Wirkung auf die Erektionsfähigkeit. Primärer Endpunkt war eine Verbesserung des IIEF-6-Domain-Scores (International Index of Erectile Function) um mindestens vier Punkte oder mehr.

Bei immerhin 59 Prozent aller Teilnehmer konnte anhand dieses Kriteriums eine Verbesserung der erektilen Funktion dokumentiert werden (mediane Verbesserung um 12,5 Punkte).

Dem entsprach der objektive Befund einer sonografisch nachgewiesenen Verbesserung der maximalen systolischen Strömungsgeschwindigkeit in den Penisarterien. Die Rate der Restenosen (Stenosegrad über 50 Prozent) lag nach sechs Monaten bei 34,4 Prozent.

Noch sei es viel zu früh, die perkutane Stent-Einlage als Option für breite Kreise von ED-Patienten zu empfehlen, betonen die Studienautoren. Sie verweisen darauf, dass die sorgfältige Selektion der Patienten ausschlaggebend für den Erfolg dieser neuen Therapie sei.

Erforderlich seien nun randomisierte Studien, in denen der Erfolg der endovaskulären Behandlung mit dem etablierter Therapien verglichen wird. (ob)

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