Urologie

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Ärzte Zeitung, 14.10.2010

Therapie gegen Harndrang für alte Menschen

Wissenschaftler haben eine Tabelle mit Medikamenten zusammengestellt, die sich für alte Menschen eignen. Darin empfehlen sie Wirkstoffe, die bei Multimorbidität günstig sind, darunter auch bei überaktiver Blase.

Von Angela Speth

Therapie gegen Harndrang für alte Menschen

Charakteristisch für eine erhöhte Blasenspannung ist überfallartiger Harndrang. Die Patienten müssen überstürzt die nächste Toilette suchen.

© fritz / fotolia.com

DÜSSELDORF. Bei der PRISCUS-Liste (priscus lat. alt, altehrwürdig) handelt es sich um ein Verbundprojekt, erläuterte Professor Helmut Madersbacher beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Düsseldorf. Ziel ist, durch angemessene Behandlung bei Multimorbidität ein Altern in Würde zu ermöglichen. Koordiniert werden die sieben Teilprojekte von der Uni Bochum und gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm "Gesundheit im Alter".

Kürzlich haben die Forscher nach Literaturrecherchen und internationalen Listen potenziell inadäquater Medikamente die an den deutschen Markt angepasste Liste veröffentlicht, so der Urologe aus Innsbruck. Die Endversion beruht auf einer strukturierten Expertenbefragung (Dtsch Arztebl Int 2010; 107: 543).

Für ältere Menschen mit überaktiver Blase nennt diese PRISCUS-Liste Trospium als einzige medikamentöse Alternative zu jenen Anticholinergika, die als potenziell inadäquat eingestuft werden. Als nicht-medikamentöse Maßnahmen werden Beckenbodengymnastik, Physio- und Verhaltenstherapie empfohlen.

Kennzeichen der überaktiven Blase (ÜAB) sind überfallartiger Harndrang, häufige Miktionen tags und nachts, mit oder ohne Urinverlust. Im Alter über 60 Jahre hat ein Fünftel der Männer und ein Drittel der Frauen damit zu tun. Trospium vermindert die Detrusorspannung, indem es mit ausgewogener und hoher Affinität an die M2- und M3-Muskarinrezeptoren im Blasenmuskel bindet.

Trospiumchlorid, eine quartäre Ammoniumverbindung, überwindet nicht die Blut-Hirn-Schranke. So kamen kognitive Einbußen oder Tagesschläfrigkeit in Studien kaum häufiger vor als mit Placebo. Im Fahrsimulator unterliefen Probanden damit auch nicht mehr Fehler. Das untermauern EEG-Aufzeichnungen: Weder nach oraler Einnahme noch nach intravenöser Injektion änderte sich die Hirnaktivität signifikant (Eur J Clin Pharmacol 1994; 47: 337).

Seit Mai 2009 ist eine neue Arzneiform erhältlich (uriVesc® 60 mg Hartkapsel). Sie besteht aus 30-mg-Pellets mit verbesserter Wirksamkeit und 30- mg-Pellets, deren Freisetzung durch eine magensaftresistente Polymerschicht verzögert ist. So bleiben die Plasmaspitzen auf niedrigerem Niveau als mit der alten Galenik, sagte Madersbacher auf einem Symposium von Rottapharm/Madaus.

Zudem wird Trospium nicht über Cytochrom P450 abgebaut, sodass keine Arzneiwechselwirkungen zu befürchten sind - günstig für ältere Menschen, die oft mehrere Medikamente brauchen. Da Trospium hauptsächlich über Urin ausgeschieden wird, kommt zum systemischen Effekt womöglich ein lokaler hinzu: Über Rezeptoren des Urothels könnte es direkt die Blase entspannen.

Die neue Galenik wurde in Phase-III-Studien mit insgesamt rund 1200 ÜAB-Patienten beurteilt (J Urol 2007; 178: 978, Urology 2008; 71: 449). Nach 12 Wochen hatte sich die tägliche Zahl der Miktionen von knapp 13 signifikant um fast drei verringert, mit Placebo um zwei. Parallel war die jeweilige Harnmenge um 30 ml gestiegen, mit Placebo um fast 20 ml. Die Inkontinenzepisoden hatten sich von mehr als vier pro Tag um 2,5 reduziert, mit Placebo um zwei. Auch die Lebensqualität besserte sich. Über Mundtrockenheit berichteten knapp 11 Prozent der Teilnehmer.

Durch die Einnahme nur einmal täglich verspricht man sich nach Aussage von Madersbacher mehr Therapietreue: Denn bei dieser Frequenz war die Compliance in Studien mehr als doppelt so hoch wie bei zweimal täglicher Einnahme eines Medikaments. Tipp: Die Patienten sollen das Präparat eine Stunde vor einer Mahlzeit schlucken.

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