Ärzte Zeitung, 12.10.2011

Trinkplan hilft gegen nächtliches Einnässen

Das Einnässen im Kindesalter ist ein multi- und interdisziplinäres Problem, das dem Kind und seiner Familie oft über längere Zeit zu schaffen macht. Eine urologische Verhaltenstherapie kann die Störung effektiv beseitigen - wenn die Kinder sich daran halten.

HAMBURG (MUC / eb). Bei nächtlichem Einnässen kann bei vielen Kindern eine Urotherapie - also eine Umstellung des Verhaltens - hilfreich sein. Zum Beispiel sollten sie vor dem Schlafengehen möglichst nichts mehr trinken.

Bevor jedoch solche therapeutischen Maßnahmen erwogen werden, muss erst die diagnostische Abgrenzung erfolgen, erklärte Dr. Brigitte Willer beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Hamburg.

Mehrere Varianten des Einässens unterscheiden

Dabei ist es sinnvoll, das rein nächtliche Einnässen, auch monosymptomatische Enuresis nocturna genannt oder abgekürzt MEN, von anderen Formen zu unterscheiden. So gibt es etwa das nächtliche Einnässen mit zusätzlichen Tagessymptomen, das als nicht monosymptomatische Enuresis nocturna oder mit dem Kürzel Non-MEN bezeichnet wird.

Eine weitere Variante ist das isolierte Einnässen am Tag, das meist kombiniert mit anderen Symptomen der Blasendysfunktion einhergeht, erläuterte die Kinderurologin aus Villingen-Schwenningen,

Insgesamt wurden 140 Kinder mit einer monosymptomatischen Enuresis zwischen 2005 und 2008 am Kontinenzzentrum Südwest in Villingen-Schwennigen behandelt. Alle wurden in eine vergleichende Untersuchung zwischen Urotherapie und medikamentöser Behandlung mit Vasopressin aufgenommen.

Nachdem die Ärzte ihnen die verschiedenen Therapiemöglichkeiten dargelegt hatten, entschieden sich 45 Prozent der Kinder zusammen mit ihren Eltern für eine Urotherapie. Die Mehrheit der anderen Kinder bekam Medikamente.

Für die Urotherapie wurde als erste Maßnahme ein Miktionsprotokoll erarbeitet. "Ganz deutlich zeigte sich, dass abends am meisten getrunken wird und dass die Kinder auch im Laufe des Tages nicht häufig genug auf die Toilette gehen", berichtete Willer.

Konsequenter Urotherapie - 70 Prozent wurden trocken

Im nächsten Schritt wurde aus diesem Grund ein Trink- und Miktionsplan erstellt. Dabei wurden die Kinder aufgefordert, 90 Prozent der täglichen Trinkmenge bis 17 Uhr zu sich zu nehmen. Zur Erfolgskontrolle wurden die Inkontinenz-Episoden in einem Einnäss-Kalender notiert.

Unter der konsequent durchgeführten Urotherapie wurden 70 Prozent der Kinder komplett trocken. Nur bei 5 Prozent der Teilnehmer zeigte sich überhaupt kein Erfolg - und zwar deshalb, weil sie die Verhaltenstherapie nicht befolgt hatten, wie sich herausstellte. In der Gruppe derjenigen Kinder, die das Medikament Desmopression eingenommen hatten, wurden nur 52 Prozent komplett trocken.

Willer sagte abschließend: "Wenn die Urotherapie konsequent befolgt wird, ist sie eine sehr erfolgreiche und wenig belastende Methode bei der Enuresis."

Wahrnehmung und Signale des eigenen Körpers schulen

Zu einer Urotherapie gehört häufig auch, den Patienten die Anatomie und die funktionellen Abläufe sowie die Ursache ihrer Probleme zu erklären. Dadurch wird die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Signale geschult. Auch das richtige und entspannte Sitzen auf der Toilette kann nützen.

Hilfreich ist außerdem oft ein Trinkplan. So sollen bettnässende und inkontinente Kinder zum Beispiel alle zwei bis zweieinhalb Stunden auf die Toilette gehen und ebenfalls alle zwei bis zweieinhalb Stunden trinken.

Die Trinkmenge richtet sich nach dem Körpergewicht (KG) und kann pro Tag und Kilogramm KG etwa 40 bis 50 ml betragen. Eine programmierte Uhr kann die Kinder, etwa in Unterrichtspausen, an diese Aufgabe erinnern.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »