Ärzte Zeitung, 15.05.2012

Gegen Bettnässen wirkt die Klingelmatte am nachhaltigsten

Kinder, die einnässen, sind oft in ihrem Selbstwertgefühl angeschlagen. Daher ist wichtig, dass sie sich von ihren Eltern verstanden und unterstützt fühlen. Den größten Langzeitnutzen haben Bettnässer-Alarmsysteme.

Von Christine Starostzik

NEU-ISENBURG. Die Enuresis nocturna ist definiert als nächtliches Bettnässen von fünfjährigen und älteren Kindern.

Einer großen britischen Studie zufolge ist es keine Seltenheit, wenn selbst Neunjährige nachts das Wasser nicht halten können (CMAJ 2012, online 23. April).

Bei 8 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe geschieht das Dilemma mindestens zweimal pro Woche. Eine wesentliche Rolle spielt eine genetische Komponente. Einer amerikanischen Studie zufolge sind von dem Problem überwiegend Jungs betroffen.

Keine schlüssige Theorie

Insgesamt scheinen drei Faktoren die Neigung zum nächtlichen Einnässen zu begünstigen: eine übermäßige nächtliche Urinbildung, eine überaktive Blase und ein so tiefer Schlaf, dass der Harndrang nicht bemerkt wird.

Viele Studien haben diese verschiedenen Mechanismen bestätigt, dennoch existiert bislang keine schlüssige Theorie zur Pathophysiologie des Bettnässens.

Am Anfang stehen eine gründliche Anamnese sowie die gezielte körperliche Untersuchung. Gefragt werden sollte unter anderem nach Symptomen, die sich tagsüber zeigen und die durch eine Blasenfunktionsstörung oder rezidivierende Harnwegsinfekte erklärt werden könnten.

Außerdem sind belastende und ungewöhnliche Ereignisse im Leben des Kindes ein wichtiger Aspekt, wie etwa ein neues Geschwisterchen oder der Verlust einer geliebten Person. Wichtig ist auch, wie stark die Lebensqualität des Kindes unter dem Bettnässen leidet.

Bei der körperlichen Untersuchung sollte unter anderem das Abdomen palpiert und auf angeborene Anomalien geachtet werden. Ist die nächtliche Urininkontinenz das einzige Symptom, ist nur eine Urinuntersuchung einschließlich mikrobiologischer Kultur erforderlich.

Verständnis für das Kind aufbringen

Die Behandlungsansätze reichen von Lebensstiländerungen über eine Medikation bis hin zu alternativen Therapieansätzen. Da bei vielen Kindern das Selbstwertgefühl leidet, ist es besonders wichtig, dem Kind Verständnis und Zuversicht zu signalisieren.

Die Eltern müssen wissen, dass ihr Kind den nächtlichen Harndrang einfach nicht unter Kontrolle hat, auch wenn es tagsüber keine Problem gibt.

Sie müssen Wege suchen, mit dem Problem zurechtzukommen und ihrem Kind dennoch ein normales Leben zu ermöglichen. Eine Hilfe sind etwa Plastikunterlagen. Auch die abendliche Trinkmenge sollte begrenzt werden.

Als wirksam hat sich die Therapie mit Desmopressin erwiesen. Der Wirkstoff erhöht die Wasserrückresorption und verringert damit die nächtliche Urinproduktion. Sobald er aber abgesetzt wird, ist das Problem wieder präsent.

Auch trizyklische Antidepressiva wurden bei kindlichen Bettnässern eingesetzt. Sie zeigen zwar eine gewisse Wirkung, aber auch Nebenwirkungen, sodass nur wenige Eltern diese Behandlung erwägen.

Den größten Langzeitnutzen haben offenbar Bettnässer-Alarmsysteme wie etwa eine Klingelmatte, die ein Warnsignal auslöst, sobald das Kind uriniert. Es soll durch den Alarm aufwachen und zur Toilette gehen.

Über längere Zeit soll das Kind so lernen, auf seinen Blasendruck zu achten. Ein systematischer Review ergab, dass 66 Prozent der Kinder nach 10-20 Wochen 14 aufeinander folgende Nächte trocken blieben, verglichen mit 4 Prozent der Kinder ohne eine solche Hilfe.

Quelle: www.springermedizin.de

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