Ärzte Zeitung, 29.01.2009

Wenn Patienten auf Erythropoetin nur unzureichend ansprechen

Fast jeder zehnte Patient mit chronischer Nierenerkrankung spricht nur unzureichend auf Erythropoetin an. Eine Ursache: zu wenig Rezeptoren für das Hormon.

Von Martin Wiehl

Bis zu zehn Prozent aller Patienten mit chronischer Nierenerkrankung sprechen auf eine Therapie mit Erythropoetin (EPO) nur unzureichend an. Klinisch von besonderer Bedeutung ist die sogenannte EPO-Hyporesponse, da die Betroffenen ein erhöhtes Risiko haben, kardiovaskuläre Komplikationen zu erleiden und vorzeitig zu sterben. Darauf hat Professor Walter H. Hörl von der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Wien hingewiesen.

EPO hemmt die Apoptose

Bereits bei reduzierter Nierenfunktion können die endogenen EPO-Spiegel im Verhältnis zum Ausmaß der Anämie zu niedrig sein, wenn die Patienten zugleich eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz haben. Wie bei chronischer Nierenerkrankung besteht auch bei dieser Konstellation ein relativer EPO-Mangel und eine Resistenz des Knochenmarks gegenüber EPO.

Professor Florian Lang vom Institut für Physiologie der Uni Tübingen erinnerte daran, dass auch Erythrozyten einer Apoptose, dem programmierten Zelltod, unterliegen können. EPO steigere die Zahl zirkulierender Erythrozyten nicht nur durch Hemmung der Apoptose von Vorläufer(Progenitor)-zellen, sondern auch durch Hemmung des als Eryptose bezeichneten Zellsterbens.

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz kommt es zur Einschränkung der renalen EPO-Bildung und zur gesteigerten Progenitorzell-Apoptose. Vermehrte Eryptose führt schließlich zur Anämie. Eine EPO-Behandlung steigere somit nicht nur die Lebensqualität der Patienten und verzögere die Progression des chronischen Nierenversagens, sondern verhindere zugleich auch die negativen Auswirkungen der Anämie auf das Herz-Kreislaufsystem, betonte Lang.

Rezeptoren werden reduziert

Trotz hoher EPO-Dosen wird das Therapieziel - Bluthämoglobinspiegel zwischen 11 und 12 g/dl - bei einer EPO-Hyporespons nicht erreicht. Obwohl anämische Hb-Werte vorliegen, kommt es in solchen Fällen nämlich zu einer Herunterregulierung der EPO-Rezeptoren und so zu einem verminderten Ansprechen auf das Hormon. Als häufige Ursache für ein unzureichendes Ansprechen auf endogenes wie exogenes EPO nannte Hörl auch entzündliche Prozesse.

ANITHA bietet Tipps für die Versorgung von Patienten mit Anämie

Bei der Suche nach der Ursache einer EPO-Hyporespons ist eine differenzielle und interdisziplinäre Diagnosestrategie von großer Bedeutung. Als Hilfestellung hierfür wurde das neue Online Diagnosetool ANITHA entwickelt. Das Akronym steht für "ANämIe-THerApie". Der ANITHA-Navigator kam unter wissenschaftlicher Federführung der Professoren Dr. Walter Zidek aus Berlin und Dr. Florian Lang aus Tübingen zustande und wurde mit Unterstützung durch die MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH gemeinsam mit weiteren Experten und dem Thieme-Verlag umgesetzt.

Der Navigator geht von einer erhöhten EPO-Dosis aus und verwendet in den ersten Schritten die gängigen Parameter der Anämiediagnostik, des Eisenstoffwechsels sowie das CRP als Entzündungsmarker. Mit dem Eintrag individuell ermittelter Laborparameter wird nicht nur der Pfad durch die komplexe Ursachenforschung einfacher gestaltet. Auch die Dokumentation der Patientendaten wird schnell und übersichtlich unterstützt. (hem)

Auf den ANITHA-Navigator kann auf dem Internetportal "Integriertes Anämie Management" unter www.anaemie-therapie.de oder www.anitha.de frei zugegriffen werden.

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