Ärzte Zeitung, 21.12.2010

Immunisierung soll Toleranz induzieren

Toleranz durch Immunisierung mit Stammzellen - das versuchen Forscher in den USA und Indien.

VANCOUVER (nsi). Den vom Konzept her wohl neuesten Ansatz zur Induktion der Immuntoleranz verfolgt Professor Paul I. Terasaki aus Los Angeles zusammen mit einer Gruppe aus Indien um Professor Hargovind L. Trivedi aus Ahmedabad. Das Konzept hat er beim Kongress der Transplantation Society in Vancouver vorgestellt.

"Das Prinzip ist, vor der Transplantation den Empfänger mit Stammzellen aus dem peripheren Blut des Lebendspenders zu immunisieren, zwei Tage später die früh entstehenden, reaktiven Immunzellklone abzutöten, dann zu transplantieren und nach weiteren zwei Tagen neu aufgetretene Immunzellen zu deletieren", erläuterte Terasaki auf der Tagung.

Für diese klonale Deletion werde der Proteasom-Hemmer Bortezomib kombiniert mit Cyclophosphamid und ATG oder Rituximab verabreicht. Zwei Tage nach der Transplantation ist die Therapie also zunächst beendet. Immunsuppressiva werden erst dann wieder gegeben, wenn es Hinweise auf Transplantat-relevante Immunreaktionen gibt wie donorspezifische Antikörper, eine Verschlechterung der Organfunktion und histologische Zeichen der Abstoßung im Biopsat.

Insgesamt 39 Probanden wurden bis August 2010 nach diesem Protokoll behandelt (2 bis 21 Monate). Ein Patient hat sein Transplantat verloren, das Transplantatüberleben betrug damit zwölf Monate nach der Op 97 Prozent.

Drei Patienten benötigen keine Immunsuppression und zehn lediglich Prednisolon in niedrigen Dosen (insgesamt ein Drittel), 18 Patienten (46 Prozent) erhalten ein Steroid plus eine weitere Substanz (n = 15) oder zwei weitere Arzneien (n = 3), sieben Patienten (18 Prozent) sind nicht mehr im Follow-up.

Nach Ansicht von Terasaki lässt sich dieses Prinzip der klonalen Deletion in der Klinik etablieren: "Ein Antikörper-Monitoring, kombiniert mit den klinischen Befunden, bei Bedarf ergänzt um die Histologie, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche, personalisierte Therapie, die mit einem Minimum an Immunsuppression auskommt." Noch allerdings überwiegt bei Klinikern offenbar Skepsis, Protokolle zur Toleranzinduktion in naher Zukunft anzuwenden. Die Studien sind vermutlich noch zu klein.

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