Ärzte Zeitung online, 21.11.2013

Nierenarterienstenose

Stenting wirkt nicht präventiv

Stents haben in den letzten Jahren einen Boom erlebt - auch bei Stenosen in den Nierenarterien. Beflügelt wurde der Trend durch unkontrollierte Studien. Jetzt haben Forscher auf die klinische Wirkung geschaut - und keinen Nutzen gefunden.

Stenting wirkt nicht präventiv

Stenose kurz vor der Niere: Stents konnten sich in der CORAL-Studie nicht behaupten.

© Arteria Photography

DALLAS. Stents sind bereits Ende der 1990er Jahre häufig zur Revaskularisation bei Nierenarterienstenosen eingesetzt worden. Beflügelt wurde das zunehmende Stenting bei dieser Indikation durch Ergebnisse unkontrollierter Studien, die für günstige Effekte dieser Therapie auf den Blutdruck und die Progression von Nierenerkrankungen zu sprechen schienen.

Die Ergebnisse von randomisierten Studien dämpften in der Folge allerdings die Begeisterung für die perkutane renale Revaskularisation. In keiner Studie sind bisher die Auswirkungen des Stentings bei Nierenarterienverengung auf klinische Ereignisse geprüft worden.

Diesen Test hat eine Forschergruppe um Dr. Christopher Cooper in der CORAL-Studie nachgeholt. Studienleiter Cooper hat die Ergebnisse beim AHA-Kongress in Dallas vorgestellt (NEJM 2013; online 18. November).

In die Studie wurden 947 Patienten mit angiografisch dokumentierter Nierenarterienstenose (Stenosegrad mindestens 60 Prozent) aufgenommen, bei denen zusätzliche eine Hypertonie (behandelt mit mindestens zwei Antihypertensiva) oder eine chronische Nierenerkrankung bestand.

Kein Unterschied bei den Ereignisraten

Alle Patienten erhielten eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie einschließlich Blutdruck- und Lipidsenker. Davon wurden 467 Teilnehmern zusätzlich mit einem Stent versorgt.

Am Ende der Nachbeobachtung, die sich über rund 3,5 Jahren erstreckte, wurde dann eine klinische Bilanz gezogen. Zu Buche schlugen dabei die Ereignisse kardiovaskulär oder renal bedingter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Klinikaufnahme wegen Herzinsuffizienz, progrediente Niereninsuffizienz und Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie.

Mit 35,1 Prozent (Stenting) und 35,8 Prozent (alleinige Medikation) waren die entsprechenden Ereignisraten in beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich - woraus leicht ersichtlich wird, dass das Stenting keine präventive Wirkung auf klinische Ereignisse hatte.

Dies gilt auch für die Subgruppen der Patienten mit sehr ausgeprägten Nierenarterienstenosen (Stenosegrad höher als 80 Prozent).

Allerdings bewegten sich die Blutwerte in der Stenting-Gruppe nach einiger Zeit auf einem etwas niedrigerem Niveau. Auswirkungen auf klinische Ereignisse hatte diese Veränderung aber offenbar nicht. (ob)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »