Direkt zum Inhaltsbereich

Nierenarterienstenose

Stenting wirkt nicht präventiv

Stents haben in den letzten Jahren einen Boom erlebt - auch bei Stenosen in den Nierenarterien. Beflügelt wurde der Trend durch unkontrollierte Studien. Jetzt haben Forscher auf die klinische Wirkung geschaut - und keinen Nutzen gefunden.

Veröffentlicht:
Stenose kurz vor der Niere: Stents konnten sich in der CORAL-Studie nicht behaupten.

Stenose kurz vor der Niere: Stents konnten sich in der CORAL-Studie nicht behaupten.

© Arteria Photography

DALLAS. Stents sind bereits Ende der 1990er Jahre häufig zur Revaskularisation bei Nierenarterienstenosen eingesetzt worden. Beflügelt wurde das zunehmende Stenting bei dieser Indikation durch Ergebnisse unkontrollierter Studien, die für günstige Effekte dieser Therapie auf den Blutdruck und die Progression von Nierenerkrankungen zu sprechen schienen.

Die Ergebnisse von randomisierten Studien dämpften in der Folge allerdings die Begeisterung für die perkutane renale Revaskularisation. In keiner Studie sind bisher die Auswirkungen des Stentings bei Nierenarterienverengung auf klinische Ereignisse geprüft worden.

Diesen Test hat eine Forschergruppe um Dr. Christopher Cooper in der CORAL-Studie nachgeholt. Studienleiter Cooper hat die Ergebnisse beim AHA-Kongress in Dallas vorgestellt (NEJM 2013; online 18. November).

In die Studie wurden 947 Patienten mit angiografisch dokumentierter Nierenarterienstenose (Stenosegrad mindestens 60 Prozent) aufgenommen, bei denen zusätzliche eine Hypertonie (behandelt mit mindestens zwei Antihypertensiva) oder eine chronische Nierenerkrankung bestand.

Kein Unterschied bei den Ereignisraten

Alle Patienten erhielten eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie einschließlich Blutdruck- und Lipidsenker. Davon wurden 467 Teilnehmern zusätzlich mit einem Stent versorgt.

Am Ende der Nachbeobachtung, die sich über rund 3,5 Jahren erstreckte, wurde dann eine klinische Bilanz gezogen. Zu Buche schlugen dabei die Ereignisse kardiovaskulär oder renal bedingter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Klinikaufnahme wegen Herzinsuffizienz, progrediente Niereninsuffizienz und Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie.

Mit 35,1 Prozent (Stenting) und 35,8 Prozent (alleinige Medikation) waren die entsprechenden Ereignisraten in beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich - woraus leicht ersichtlich wird, dass das Stenting keine präventive Wirkung auf klinische Ereignisse hatte.

Dies gilt auch für die Subgruppen der Patienten mit sehr ausgeprägten Nierenarterienstenosen (Stenosegrad höher als 80 Prozent).

Allerdings bewegten sich die Blutwerte in der Stenting-Gruppe nach einiger Zeit auf einem etwas niedrigerem Niveau. Auswirkungen auf klinische Ereignisse hatte diese Veränderung aber offenbar nicht. (ob)

Mehr zum Thema

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikofaktoren im Blick

So spüren Sie eine Post-Stroke-Depression auf

Lesetipps
Blutabnahme

© Viacheslav Yakobchuk / stock.adobe.com

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Eine Impf-Spritze liegt auf einem Impfpass.

© Andreas Gruhl / stock.adobe.com

Orientierung für die Impfpraxis

Impfen bei Immundefizienz: Worauf es ankommt