Ärzte Zeitung Extra, 06.06.2008

Rekordhoch bei Organspendern - aber noch immer warten sehr viele auf ein neues Organ

Organspende

Deutsche Stiftung Organtransplantation koordiniert in Deutschland die postmortale Organspende

Die Zahl der hirntoten Organspender hat in Deutschland im letzten Jahr einen Höchststand erreicht. Doch noch immer warten etwa 12 000 Menschen auf ein neues Organ. Die Europäische Union will die Organspende fördern - eine Kommerzialisierung wird dabei auch weiterhin ausgeschlossen. Wie rasch sich die Organtransplantation zu einem oft lebensrettenden Therapieverfahren entwickeln konnte, macht eine Zahl deutlich: Seit 1963 sind in Deutschland etwa 89 000 Organe transplantiert worden, davon gut zwei Drittel Nieren. Dabei ist das Fachgebiet vergleichsweise jung.

 Rekordhoch bei Organspendern - aber noch immer warten sehr viele auf ein neues Organ

Die weltweit erste, langfristig erfolgreiche Organtransplantation gelang 1954 Joseph Murray in den USA mit der Verpflanzung einer Niere. Es dauerte bis in die 70er Jahre, bis die operativen Methoden und die Möglichkeiten der Prophylaxe und Therapie von Abstoßungsreaktionen so weit entwickelt waren, dass verschiedene, allogen verpflanzte Organe Jahre lang funktionierten.

Die Zahl der Transplantate könnte weit höher liegen als bisher, wenn mehr Organe zur Verfügung stünden. Aber sie sind in fast allen westlichen Ländern knapp. Bei Eurotransplant (ET), der Vermittlungsstelle von Organen für Deutschland und sechs weitere EU-Länder, sind etwa 12 000 Patienten aus Deutschland für ein Organ angemeldet. Täglich sterben durchschnittlich drei Menschen, die auf ein Organ warten. Allein für eine Niere sind etwa 8000 Patienten aus Deutschland bei ET gelistet, jährlich kommen etwa 2800 bis 2900 hinzu. Für Menschen auf der Warteliste zählt jedes gespendete Organ. Eine Leber oder ein Herz rettet oft unmittelbar vor dem Tod. Aber auch bei Nierenkranken verlängert ein neues Organ das Leben: Ab dem 18. Monat nach Transplantation haben Patienten statistisch einen Überlebensvorteil im Vergleich zu jenen, die weiter dialysiert werden.

Doch ist in Deutschland in den letzten Jahren ein Aufwärtstrend zu beobachten. Die Zahl der hirntoten Spender von Organen hat 2007 einen Höchststand seit mehr als zehn Jahren erreicht. Für die Versorgung aller Warteliste-Patienten ist diese Entwicklung noch nicht ausreichend, aber ein hoffnungsvolles Signal. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert die postmortale Organspende bundesweit. 2007 konnten insgesamt 4140 Organe von hirntoten Menschen und weitere 745 von Lebendspendern transplantiert werden.

Die EU will gegen die heutige Situation etwas tun und die Organspende europaweit fördern - nicht aber mit finanziellen Anreizen für potenzielle Spender oder deren Angehörige. Das hat das Europäische Parlament (EP) kürzlich bestätigt. Anders als Gewebe, die in Deutschland als Arzneimittel gelten und - wenn sie verarbeitet werden - auch Gewinn bringen dürfen, soll ein Handel mit Organen nach dem Willen des EP strikt verboten bleiben. "Die Organtransplantation muss ihren nicht-kommerziellen Charakter behalten", sagt Professor Günter Kirste, Medizinischer Vorstand der DSO. Die EU-Kommission würde überdies in ihren Mitgliedsländern gern die Bestimmungen zur Sicherheit und Qualität der Organe vereinheitlichen und Mindeststandards festlegen.

Europaparlament favorisiert europäischen Spendeausweis

Sowohl Bundesärztekammer als auch Ärztetag sehen Probleme bei der Umsetzung: Die Länder hätten zu ungleiche Entwicklungsstadien, die geplanten Kontrollvorgaben erhöhten den bürokratischen Aufwand. Dadurch könnten die Spenderzahlen sinken.

Das Europaparlament favorisiert zudem einen europäischen Organspendeausweis, um den gemeinsamen Organpool zu vergrößern und möglichst für alle gespendeten Organe einen optimal passenden Empfänger zu finden. In Deutschland ist die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte geplant, auf der auch eine Erklärung zur Organspende möglich sein soll. Doch müsste der Patient die Erklärung jederzeit ohne Mitwirken eines Arztes ändern können. So dürfte das Papierdokument für alle Beteiligten vorerst am sichersten bleiben.(nsi)

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