Ärzte Zeitung, 24.05.2011

Mehr EHEC-Infektionen durch artwidrige Nutztierfütterung?

Warum tauchen EHEC- Infektionen erst seit den 80-er Jahren auf? Womöglich deshalb, weil die Verbreiter der Keime - die Rinder - artwidrig mit Getreide gefüttert werden.

Mehr EHEC-Infektionen durch artwidrige Nutztierfütterung?

Die moderne Haltung und Fütterung von Nutztieren könnte EHEC-Infektionen begünstigen.

© Fotolyse / fotolia.com

MÜNCHEN (wst). Die Häufung von Infektionen mit Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) erregt derzeit Aufsehen. Infektionen werden in den USA und Europa seit Anfang der 80er Jahre registriert. Experten diskutieren, inwieweit eine nicht artgerechte Fütterung von Wiederkäuern das EHEC-Risiko mehrt.

Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 werden dem Robert-Koch-Institut jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Infektionen gemeldet. Die tatsächlichen Raten dürften deutlich höher liegen, da sonst gesunde Menschen häufig überhaupt keine Symptome haben oder nur einige Tage unblutigen Durchfall, der dann mikrobiologisch nicht abgeklärt wird.

Für den Menschen bedeutsamstes EHEC-Reservoir sind wiederkäuende Haustiere wie Rinder, Ziegen und Schafe. Menschen infizieren sich fäkal-oral vorwiegend über den Kot infizierter Tiere, wobei weniger als hundert Zellen des Erregers schon ausreichen.

Die Ansteckung geschieht beim direkten Kontakt mit den infizierten Tieren, etwa im Streichelzoo oder bei Ferien auf dem Bauernhof, oder aber durch Verzehr ungekochter Speisen: auf Viehweiden gesammeltes Fallobst; mit Rindermist gedüngtes Gemüse; Fleisch, das während der Schlachtung mit Kotspuren verunreinigt wurde; Rohmilch und deren Produkte.

Literaturangaben zufolge sind in Deutschland über 50 Prozent der Rinderbestände EHEC-infiziert, was für die Tiere üblicherweise folgenlos bleibt. Kritiker einer Hochleistungslandwirtschaft sehen die Ursache der hohen Durchseuchung von Nutztieren mit EHEC vor allem in einer nicht artgerechten Fütterung.

So ändere sich bei den Tieren, die von Natur aus eigentlich Gras und Heu fressen, durch die stärkereiche Getreidefütterung das Darmmilieu. Das wiederum begünstige die Besiedelung mit humanpathogenen EHEC.

Im Detail fällt der Theorie zufolge durch eine solche artwidrige Getreidefütterung der pH-Wert im Verdauungstrakt der Wiederkäuer ab, was für die säureresistenten Keime einen Selektionsvorteil bedeutet. So überleben sie auch leichter den Säureschock, wenn sie in den Magen von Menschen gelangen.

Zitiert wird dazu vor allem eine in der Zeitschrift "Science" veröffentlichte Arbeit an der Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York. Die Forscher hatten nachgewiesen: Schon wenige Tage, nachdem von getreidehaltigem Kraftfutter auf artgerechtes Rauhfutter (Heu) umgestellt wurde, sinkt die EHEC-Menge im Rinderkot erheblich (Science 1998; 281: 1666). Allerdings haben andere Wissenschaftlergruppen diese Arbeit in Frage gestellt.

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[02.06.2011, 13:22:51]
Dr. Horst Grünwoldt 
Phantome
Nach dem Phantom "BSE-Prion" als infektiöser Erreger, wird uns nunmehr wieder einmal das Rind als wichtigstes Nutztier (Milch, Fleisch und Leder), das vor allem aus der Verdauung von Gras und Futtermais-Silage uns diese wertvollen Produkte liefert, an den Pranger gestellt. Die Treibhaus-Mär über den großen Methan-Produzenten Kuh ist gerade verpufft, da wird uns das Rind als Lieferant der fiktiven "EHEC-Seuche" verkauft. Dabei entstehen bei der hohen Teilungsrate von E.coli im Enddarm von Menschen und warmblütigen Tieren jederzeit und spontan "Serovara" durch Mutation, die zufällig auch einmal hämolysierende Eigenschaften haben können. Die humanen Varianten werden vor allem fäkal-oral auf öffentlichen, ungepflegten Toiletten verschmiert und nicht über Tomaten und Gurken aus humuslosen Hydrokulturen unter der Platikplane! Hanebüchen ist jedoch, daß die Verteter von Bundesoberbehörden (RKI, FLI u.s.f.) als amtliche Wichtigtuer oder Bangebüxe gut waschbare Gurken und Tomaten zur Infektionsquelle von EHEC offiziell und irreführend erklären. Und damit den deutschen Konsumenten zum unverhältnismäßigen Handeln auffordern, auf den Verzehr dieser wertvollen Vitamin- und Pektin-Lebensmittel zu verzichten. Stattdessen werden dann von den fehlernährten Deutschen wieder Fleisch- und Wurstwaren im Übermaß gegessen und die Hämorrhoiden und der spätere Darmkrebs werden bei vielen übergewichtigigen Autofahrern und Büromenschen im Sitzen provoziert. Seit meinen Tropenjahren reduziere ich die vegetative Keimbelastung im gewaschenen Salat erfolgreich mit der klassischen und verdauungsfördernden Essig- und Öl- (Vinegraitte)"Behandlung", die sogar das Infektionsrisiko mit Amöben absenkt. Zum Nachtisch gibt es dann einen leckeren Naturjokhurt, gewissermaßen als Laktobakterien-Stoßtherapie, um die E.coli´s in Schach zu halten und eine Reisediarrhoe zu vermeiden. Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock zum Beitrag »
[26.05.2011, 10:32:57]
Dr. Joachim Malinowski 
Artenwidrige Fütterung unserer Nutztiere - eine biologische Zeitbombe?
Erneut machen Schlagzeilen über Erreger die Runde, welche vorher nicht oder nicht in solchem Ausmaß in unserer Nahrungskette aufgetaucht sind.

Bei BSE war eine artenwidrige Ernährung der Rinder (mit Futtermitteln aus Schafskadavern) die Ursache.
Bei dem Dioxinskandal waren es kriminelle Futtermittelhersteller.
Die neue EHEC-Welle beruht auf Keimen, die durch die Verfütterung von Getreide an Rinder ihr Schlupfloch in unsere Nahrungskette fanden
("So ändere sich bei den Tieren, die von Natur aus eigentlich Gras und Heu fressen, durch die stärkereiche Getreidefütterung das Darmmilieu. Das wiederum begünstige die Besiedelung mit humanpathogenen EHEC").

Was heute noch Theorie bzw. ein Verdacht ist, kann morgen schon als Allgemeinwissen bestätigt werden.

In jedem Fall ist Vorbeugen immer besser als Opfer beklagen.

Dennoch gibt es immer wieder neue Szenarien mit bislang unbekannten oder harmlosen Erregern, wobei eine der Ursachen auch in der nicht-artengerechten Fütterung unserer Nutztiere liegt.

Darüber hinaus muss die Gülle mit den EHEC-Erregern aber irgendwie "menschengemacht" auf die Felder gekommen sein, und zwar in einer bisher nicht bekannten Art und Weise. Normalerweise werden gedüngte Felder vor der Aussaat umgepflügt, so dass die Natur die Nährstoffe aufnehmen udn verarbeiten kann, ohne dass pathogene Keime in unsere Nahrungskette gelangen.

Was also ist in diesem Frühjahr anders gemacht worden?

Nur die Zeit wird uns eine Antwort darauf geben. Bis dahin werden wir weitere Erkrankte/Tote zu beklagen haben.

Muss das immer wieder so sein? Kann uns Fr. Aigner nicht doch noch mit Gesetzen und effektiven Kontrollmaßnahmen davor schützen?



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[25.05.2011, 11:24:45]
Dr. Joachim Malinowski 
Profitdenken verursacht erneut Todesfälle
"...So ändere sich bei den Tieren, die von Natur aus eigentlich Gras und Heu fressen, durch die stärkereiche Getreidefütterung das Darmmilieu. Das wiederum begünstige die Besiedelung mit humanpathogenen EHEC...."

Es ist wie damals mit BSE, als Tierkadaver zu Futterzwecken ("Gewinnmaximierung") verarbeitet und verfüttert wurden, so dass diese Erkrankung überhaupt entstehen konnte.

Ich fühle mich erneut vom Gesundheitministerium im Stich gelassen, weil die ihrer Überwachungsaufgabe gegen Futtermittelmißbrauch /Lebensmittelsicherheit nicht ausreichend nachkommen.

Anfang des Jahres war es das Dioxin aus Industriefetten in Futtermitteln, jetzt gefährliche EHEC, und so geht das immer weiter.

Die Verursacher kommem jedes Mal glimplich davon, es gab und gibt Tote oder Vergiftete bzgl. des Dioxins mit noch nicht absehbaren Folgen etc.
Das war`s dann auch schon wieder.

Was geschieht mit den überlebenden Angehörigen? Werden diese irgendwie entschädigt, dass ihnen ein Familienmitglied aufgrund dieser skandalösen Vorgänge frühzeitig verstirbt?
Oder gehört so etwas schon zum "Restrisiko" unserer Gesellschaft?
Was kommt als nächstes?

Warum wird da nicht endlich per Gesetz und mit effektiver Kontrolle gegen diese kriminellen Machenschaften vorgegangen?

Ist es denn nicht kostengünstiger, unsere Mitbürger vor frühzeitigem Tod zu schützen, die Arbeitskraft zu erhalten, als wie zur Zeit bei jedem neuen Skandal den "Ahnungslosen" zu spielen und Todesopfer billigend in Kauf zu nehmen?

Wo leben wir denn? In Indien oder China, wo mit Menschen sehr "sorglos" umgegangen wird?

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