Ärzte Zeitung online, 16.10.2014

Galenus-Preis/CharityAward

Sieben Preisträger feierlich gekürt

Sieben Preisträger feierlich gekürt

Ein MS-Therapeutikum, ein Virostatikum gegen Hepatitis-C-Viren, ein Antibiotikum gegen multiresistente Tuberkulosebakterien und Forschung zur rätselhaften Nierenschädigung MPGN - das sind die Preisträger des Galenus-Preises 2014. Der CharityAward 2014 geht an drei Einrichtungen: Platz eins holt das Kölner Projekt "Gesundheit für Wohnungslose".

BERLIN. Am Donnerstagabend war es wieder soweit: Im Rahmen einer festlichen Gala sind der diesjährige Galenus-von-Pergamon-Preis und der CharityAward verliehen worden. Springer Medizin Ärzte Zeitung zeichnete sieben Preisträger aus.

Überreicht wurden die begehrten Medaillen von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, die in Stellvertretung für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an der Springer Medizin Gala in Berlin teilnahm.

Ministerin Johanna Wanka ist Schirmherrin des Galenus-Preises, der jährlich vergeben wird für exzellente pharmakologische Grundlagenforschung und für herausragende Arzneimittelinnovationen in drei unterschiedlichen Kategorien: für Primary Care (hausärztliche Versorgung), Specialist Care (fachärztliche Versorgung) und erstmalig auch für Orphan Drugs (Arzneimittel für seltene Erkrankungen).

Diese insgesamt vierte Kategorie kam auf besonderen Wunsch der Jury um Professor Dr. Erland Erdmann in diesem Jahr hinzu. Gerade im Bereich der seltenen Krankheiten hat es in den vergangenen Jahren ganz entscheidende und auszeichnungswürdige Fortschritte gegeben, lautete die Begründung der Jury.

Mit dem CharityAward würdigt Springer Medizin ein besonders hohes ehrenamtliches Engagement im Gesundheitswesen. Annette Widmann-Mauz überreichte den Preis an drei Einrichtungen, die sich in besonderer Weise für Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus, für Obdachlose und für Demenzkranke und deren Angehörige engagieren.

Alle sieben Auszeichnungen wurden in Anwesenheit von über 200 geladenen Gästen im Berliner Axica ausgehändigt.

Tecfidera® gewinnt in Kategorie Primary Care

Sieben Preisträger feierlich gekürt

Die Preisverleihung im Berliner Axica fand vor mehr als 200 geladenen Gästen statt.

© Peter Himsel

Der Abend in Bildern...

Die beste Arzneimittelinnovation 2014 im Bereich Primary Care fiel auf Tecfidera® von Biogen Idec. Tecfidera® basiert auf dem Wirkstoff Dimethylfumarat, DMF und ist eine orale Basistherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS).

MS zählt zu den häufigsten Ursachen körperlicher Behinderung bei jungen Erwachsenen. Eine möglichst frühe und wirksame Therapie ist wichtig, um den weiteren Verlauf zu verlangsamen. In den Zulassungsstudien zeigte DMF eine gute Wirksamkeit, sowie ein günstiges Sicherheitsprofil.

In der Kategorie Specialist Care ging der Preis an Sovaldi® von Gilead Sciences. Sovaldi®, Wirkstoff Sofosbuvir, ist ein orales Virostatikum, das sich direkt gegen Infektionen mit Hepatitis-C-Viren richtet.

Es ist pangenotypisch wirksam, also vom Genotyp unabhängig; deswegen erzielt es bei unvorbehandelten Patienten jeglichen Genotyps Heilungsraten von mindestens 90 Prozent. Außerdem eröffnet Sofosbuvir die Option einer interferonfreien Therapie.

Erstmalig zeichnete der Galenus-Preis die beste Arzneimittelinnovationen für Orphan Drugs, seltene Krankheiten, aus. Das Unternehmen Janssen nahm für Sirturo® den Galenus-Preis entgegen. Sirturo® mit seinem Wirkstoff Bedaquilin, ist ein für die Kombinationstherapie zugelassenes, orales Antibiotikum gegen multiresistente Tuberkulosebakterien.

Bedaquilin ist das seit mehr als 40 Jahren erste spezifische Medikament für diese Erkrankung und wurde in der EU mit einem beschleunigten Verfahren bewertet.

Den Preis für die beste pharmakologische Grundlagenforschung gewannen Dr. Christine Skerka und Prof. Dr. Peter F. Zipfel vom Universitätsklinikum Jena und des Hans-Knöll-Instituts. Dr. Skerka und Frau Qian Chen, stellvertretend für den verhinderten Prof. Dr. Peter F. Zipfel, nahmen die Auszeichnung entgegen. Zipfel und Skerka untersuchten mit ihren Teams die membranöse proliferative Glomerulonephritis, MPGN. Dabei handelt es sich um eine seltene Erkrankung der Nieren, die vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt.

Ergebnis ihrer Forschungsarbeit ist der Nachweis, dass die Erkrankung durch eine Fehlregulation des Komplementsystems ausgelöst werden kann. Mit ihrer Studie tragen die Forscher maßgeblich zu einem besseren Verständnis der Entstehung von MPGN und der Regulation des Komplementsystems bei.

Sie liefern auch die Möglichkeit zur Identifikation bislang unbekannter Autoantikörper und Erbdefekte, und eröffnen neue Wege zur spezifischen Behandlung der Erkrankung.

Nur wenige Stunden vor der Gala hatten die 14-köpfige Galenus-Jury um Erland Erdmann diese vier Gewinner festgelegt.

CharityAward: Platz eins für Projekt Gesundheit für Wohnungslose

Zum sechsten Mal in Folge zeichnete Springer Medizin Ärzte Zeitung mit dem CharityAward ehrenamtliches Engagement im Gesundheitswesen in Deutschland aus.

Platz eins erreichte die Kölner Arbeitsgemeinschaft von Dr. Peter Krebs für ihr Projekt Gesundheit für Wohnungslose. Über eine mobile Arztpraxis erhalten Obdachlose und hilfsbedürftige Menschen in Köln kostenlos ärztliche Versorgung und Mahlzeiten.

Auf Platz zwei kam das Diakonie-Hilfswerk Hamburg mit seinem Projekt AnDOCken. Ehrenamtliche Helfer versorgen Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus medizinisch und beraten sie sozialrechtlich.

Das Bürgerinstitut Frankfurt e.V. belegte mit seinem HILDA-Mobil Platz drei. Mittels einer mobilen Beratungsstelle begleiten Ehrenamtliche Demenzkranke und deren Angehörigen, die in abgelegenen Stadtteilen Frankfurts leben.

Alle drei Preisträger erhielten je nach Platzierung einen Barscheck und ein Medienpaket von verschiedenen Sponsoren. Neben dem frei verwendbaren Geldbetrag steht den Gewinnern eine mediale Leistung zu. Diese maßgeschneiderte, mediale Unterstützung ermöglicht eine nachhaltige und breitere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. (eb)

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[21.10.2014, 15:53:59]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Professor Erland Erdmann
Als Präsident der Galenus-von-Pergamon-Jury antwortet Professor Erland Erdmann auf den ersten Leserkommentar:

Sowohl das IQWiG als auch das G-BA bewerten ein neues Medikament bzw. (in diesem Fall) eine neue Indikation immer im Vergleich zu einem "Basistherapeutikum" und legen dabei gelegentlich spezielle Maßstäbe an. Wenn ein oral zu gebendes Medikament gegen Placebo getestet wird, weil das Basistherapeutikum nur s.c. zu applizieren ist, kann keine direkte Vergleichsstudie zwischen dem zu begutachtenden Präparat und dem festgelegten Komparator vorgelegt werden. Damit werden die verfügbaren Studien (gegen Placebo) vom G-BA nicht anerkannt und es wird kein Zusatznutzen zuerkannt. Die Galenus-Preis Jury sah hingegen den Vorteil der oralen Medikation und den Nutzen gegenüber Placebo als so wesentlich an, dass sie dem Tecfidera den Preis zuerkannte.

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[17.10.2014, 10:02:38]
Nina Jungcurt 
G-BA und Galenus-Jury in unterschiedlichen Realitäten?
Der G-BA hat dem MS-Präparat Tedfidera in seiner Sitzung am 16.10.14 keinen Zusatznutzen zugebilligt. Am gleichen Abend gewinnt das Arzneimittel den Galenus-Preis für Primary Care. Dabei wäre es interessant zu erfahren, wie die Jury zu einer solch diametral gegensätzlichen Entscheidung kommt bzw. wie die Juroren des Galenus-Preises die Bewertung des G-BA einschätzen?

In jedem Falle zeigt dieser Vorgang doch, dass sich die Beteiligten in unterschiedlichen Realitäten zu bewegen scheinen. Es stellt sich nur die Frage: Ist der G-BA blind und innovationsfeindlich, hat es einfach der Hersteller vermasselt, ein adäquates Nutzendossier einzureichen, oder ist die Jury in ihrer Entscheidung fremdgesteuert? zum Beitrag »

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