Ärzte Zeitung, 17.03.2005

1985: Wurmmittel ist erster Galenus-Preis-Träger

Therapeutischer Durchbruch mit Praziquantel

Anmutig, aber gefährlich: Männchen und Weibchen des Pärchenegels Schistosoma. Foto: Bayer

Das erste Medikament, das mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis - damals hieß er noch Claudius-Galenus-Preis - vor 20 Jahren ausgezeichnet wurde, war Praziquantel gegen Bilharziose (Schistosomiasis).

Bis das Präparat als wirksamstes Mittel gegen Schistosomen entdeckt wurde, mußten etwa 300 000 chemische Verbindungen auf ihre Wirksamkeit gegen Schistosomen getestet werden.

Nach drei Jahren intensiver Forschung gelang schließlich Wissenschaftlern der Unternehmen Bayer aus Leverkusen und Merck aus Darmstadt der Durchbruch. 1980 wurde Praziquantel in die Therapie gegen die Tropenkrankheit eingeführt. Fünf Jahre später wurde es mit dem Galenus-Preis der Kategorie A ausgezeichnet.

Professor Ellen Weber, damals Vorsitzende der Jury für den Preis, sagte damals in ihrer Laudatio, das Mittel erfülle die Forderungen der WHO an ein gegen Bilharziose und andere parasitäre Wurmerkrankungen gerichtetes Medikament. Es sei ein therapeutischer Durchbruch in der Therapie bei dieser Tropenkrankheit.

Wie wirkt das Medikament, das gegen alle für Menschen gefährlichen Schistosomenarten wirksam ist? Nach Einnahme von Praziquantel dringt das Mittel in die Haut, das Tegument, des Parasiten ein. Sie platzt auf und Zellinhalt tritt aus. Nach Angaben von Dr. Peter Andrews, Forscher bei Bayer, dringen dann rasch Phagozyten in den Erreger ein und lösen ihn auf. Nicht effektiv ist das Mittel gegen sich entwickelnde Schistosomen.

In der Kategorie B des Galenus-Preises - damit wurden herausragende Leistungen der pharmazeutischen Industrieforschung gewürdigt - wurde 1985 eine Arbeit der Forschergruppe um Dr. Wolfgang Günzler am Forschungszentrum des Unternehmens Grünenthal und von der Technischen Hochschule in Aachen ausgezeichnet.

Es ging darin um die chemische, enzymologische und pharmakologische Äquivalenz von Urokinasen, isoliert aus gentechnisch transformierten Bakterien und aus menschlichem Harn. Weber sagte damals in ihrer Laudatio, "es ist zum ersten Mal gelungen, ein komplexes menschliches Enzym mit genetisch transformierten Bakterien zu gewinnen und seine Identität mit dem Modell - der menschlichen Urokinase - zu beweisen."

Der Galenus-Preis der Kategorie C ging 1985 schließlich an die Arbeitsgruppe um Professor Dietrich Keppler in Freiburg. Ausgezeichnet wurde die Arbeit mit dem Titel "Die Bedeutung der Peptid-Leukotriene und ihrer hepatobiliären Elimination für die Wirkung von Endotoxin".

Die Wissenschaftler erforschten die Bedeutung der Leukotriene bei der Entstehung des Schocks durch Endotoxine. Keppler und seinen Kollegen gelang damals erstmals der Nachweis, daß bakterielles Endotoxin die Synthese des Leukotriens LTD4 anstößt. Endotoxin ist das Lipopolysaccharid, ein Bestandteil der bakteriellen Membran, es wird zum Beispiel beim Absterben der Bakterien freigesetzt. Das Leukotrien macht Gefäße durchlässiger und verstärkt so Ödeme. (ple)

Weitere Beiträge zur Serie:
"Chronik der Preisträger"

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