Ärzte Zeitung, 07.04.2005

2001: Antikörper schützt Risikokinder vor RSV

Prophylaktikum gegen schwere Lungeninfekte prämiert

"Mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab wurde eine neue Ära bei der Prophylaxe schwerer Lungenkrankheiten eingeleitet." Das hat Professor Ernst Mutschler aus Frankfurt am Main 2001 in seiner Laudatio für den von der "Ärzte Zeitung" gestifteten Galenus-von-Pergamon-Preis gesagt.

Mit dem monoklonalen Antikörper Palivizumab (kleines Bild) läßt sich schweren Infektionen durch das Respiratory Syncytial Virus (RSV) vorbeugen. Fotos: Abbott

Synagis® mit dem Wirkstoff Palivizumab des Unternehmens Abbott wurde damals in der Kategorie A ausgezeichnet. "Mit dem monoklonalen Antikörper kann die große Zahl von Todesfällen mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) entscheidend verringert werden", würdigt der damalige Präsident der Jury das Medikament.

Das RSV ist mit Abstand der häufigste Erreger schwerer Infektionen der unteren Atemwege bei Früh- und Neugeborenen sowie bei Kindern mit chronischen Lungenkrankheiten. Ende der 90er Jahre mußten nach Angaben Mutschlers zum Beispiel in den USA jedes Jahr 90 000 Kinder mit schweren RSV-Infektionen stationär behandelt werden, etwa 4500 Kinder davon sind gestorben.

"Da die therapeutischen Möglichkeiten bei schweren RSV-Erkrankungen gering sind, eine kausale Behandlung nicht existiert und die symptomatische Therapie wenig zufriedenstellend ist, ist eine zuverlässige Prophylaxe um so wichtiger", so Mutschler: "Diese wurde erstmals mit Palivizumab möglich."

Palivizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG-Antikörper, der an das A-Epitop des F-Proteins von RSV bindet. Das F-Protein ermöglicht dem Virus die Fusion mit der Wirtszelle sowie die Bildung von Syncytien. Durch die Bindung von Palivizumab an das F-Protein können diese Reaktionen des Virus mit den betreffenden Zellen verhindert werden.

Entscheidend für die Zulassung von Palivizumab waren die Ergebnisse der IMpact-Studie. Es handelte sich dabei um eine randomisierte, doppelblinde und Placebo-kontrollierte Studie an 139 Zentren in den USA, Kanada und Großbritannien mit 1502 Kindern.

Frühgeborene und Kinder mit bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) im Alter von 24 Monaten oder weniger mußten mit einer Rate von fünf Prozent nur halb so oft wegen RSV-Infektionen in die Klinik aufgenommen werden wie in der Placebo-Gruppe (zehn Prozent).

Palivizumab ist heute zugelassen zur Prophylaxe von RSV-Infektionen bei Frühgeborenen im Alter unter sechs Monaten, bei Kindern unter zwei Jahren mit Herzfehlern oder nach Therapie wegen BPD. Zur Prophylaxe werden in den Wintermonaten fünf monatliche Injektionen empfohlen.

Mit dem Galenus-Preis in der Kategorie B wurden 2001 elf Forscher um den Stuttgarter Pharmakologen Professor Michael Eichelbaum geehrt. Die Wissenschaftler verschiedener deutscher Universitäten, Institute und von einem Unternehmen entdeckten Gen-Polymorphismen, die erhebliche Auswirkungen auf die Bioverfügbarkeit von Medikamenten haben können, und zwar im MDR-1- Gen (Multi Drug Resistance). (eis)

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Weitere Beiträge zur Serie:
"Chronik der Preisträger"

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