Ärzte Zeitung online, 23.08.2013

Regenerative Medizin

Künstliche Zähne aus Urin

Baumaterial für künstliche Zähne findet sich auch im Urin. Forscher aus China haben aus darin vorkommenden Zellen Zahnersatz gezüchtet.

GUANGZHOU. Zu schade fürs Urinal: In unserem Harn gibt es wertvolle Zellen, die in Zukunft Einsatz in der regenerativen Medizin finden könnten.

"Zähne sind nicht nur für ein schönes Lächeln wichtig, sondern auch für eine gute Gesundheit", so schreibt eine Gruppe von chinesischen Wissenschaftlern.

Die Stammzellforscher präsentieren in der Zeitschrift "Cell Regeneration" (2013, 2:6) eine neue Möglichkeit, Patienten-spezifische Ersatzzähne zu züchten. Die rudimentären Zähne seien etwas weicher als normale Zähne, hätten sonst aber ähnliche physikalische Eigenschaften, meldet laborwelt.de.

Pulpa, Dentinschicht und Zahnschmelz

Etwas gewöhnungsbedürftig sei einzig noch das Ausgangsmaterial, das die Mediziner aus Guangzhou verwenden: Sie gewinnen die induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) aus im menschlichen Urin vorkommenden Zellen.

Die fertigen zahnartigen Strukturen waren auch fast wie das Original aufgebaut. Sie besaßen ein Zahnmark (Pulpa), eine Dentinschicht und Zahnschmelz.

Außerdem entdeckten die Forscher sogenannte Dentalorgane, wichtige Organisationszentren bei sich entwickelnden Zähnen.

Bereits seit 2001 sei bekannt, dass Nierenzellen aus dem Urin in iPS-Zellen umgewandelt werden können, berichtet laborwelt.de. Der Vorteil der Methode ist, dass sie nicht-invasiv ist.

Der Nachteil: Im Urin kommen nur relativ wenige Zellen vor. Außerdem ist eine Verunreinigung mit Bakterien wahrscheinlicher als bei Spenderzellen aus zum Beispiel Blut oder Knochenmark.

Erfolgsquote von 30 Prozent

Für das Zahn-Experiment haben die Forscher die fertigen Urin-iPS-Zellen zunächst in Epithelzellen umgewandelt. Dann gaben sie aus Mauszähnen gewonnene Bindegewebszellen dazu.

Die Kombination dieser zwei Zelltypen führte innerhalb von drei Wochen zu den elementaren, zahnartigen Strukturen.

Die Erfolgsquote betrug 30 Prozent - vergleichbar mit Versuchen, bei denen embryonale Stammzellen eingesetzt wurden. (eb)

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