Ärzte Zeitung, 07.08.2011

L-Thyroxin plus Jodid: Beste Medikation bei Knotenkropf

LISA hat einen großen Wunsch vieler Endokrinologen erfüllt: Endlich gibt es gute Daten für die optimale Medikation bei Knotenstruma. In der Studie war die Kombination L-Thyroxin / Jodid allen anderen Therapien überlegen.

L-Thyroxin plus Jodid: Beste Medikation bei Knotenkropf

Ultraschall-Befund bei Struma multinodosa: Eine Kombitherapie kann solche Knoten verkleinern.

© Albertinen-Krankenhaus Hamburg

ALTDORF (eb). Unter der Kombinationstherapie aus Levothyroxin (T4) und Jodid schrumpft das Volumen der Schilddrüsenknoten stärker als bei Therapie mit jeweils einer der Einzelkomponenten, nämlich um etwa 20 Prozent (wir berichteten).

Weltweit werden Millionen von Patienten mit Struma nodosa medikamentös behandelt. Doch belegten bisher keine prospektiven Studien die Wirkung dieser Therapie an einer ausreichend großen Probandenzahl. Aus diesem Grund weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) auf den hohen Stellenwert der Studie LISA bei Patienten mit euthyreoten Knotenstrumen hin.

Vierarmige Studie LISA wurde 2004 gestartet

Mitglieder der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) hatten wegen der mangelnden Datenlage im Jahr 2004 die große vierarmige multizentrische prospektive Studie LISA mit 1024 Patienten mit Schilddrüsenknoten gestartet.

Je eine Gruppe von Patienten nahm Jod oder Thyroxin ein, eine weitere eine Kombination von beidem und eine Vergleichsgruppe Placebo.

"Sehr wichtig war für uns, dass das Thyroxin in den entsprechenden Gruppen nicht - wie in den bisher vorliegenden Studien - zu hoch dosiert wurde, da dies zu Nebenwirkungen führen kann.

Dies wurde durch eine ausgeklügelte doppelblinde Adaptation der Dosis nach dem Wert für TSH erreicht", so Professor Martin Grußendorf aus Stuttgart, Sekretär der DGE und wissenschaftlicher Leiter der Studie, in der DGE-Mitteilung.

Stärkste Volumenreduktion der Knoten

Die Studie wurde jetzt im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism" publiziert. Sie ergab, dass die Kombination von Thyroxin und Jodid allen anderen Therapieformen bezüglich einer Volumenreduktion der Schilddrüsenknoten signifikant überlegen war; auch die Reduktion des Schilddrüsenvolumens war im Vergleich mit Placebo hoch signifikant.

Dies sei, so Grußendorf, umso erstaunlicher, da der früher vorhandene deutliche Jodmangel in Deutschland nach neueren Untersuchungen ausgeglichen sei.

Durch Messung der Jodausscheidung der Patienten habe jedoch nachgewiesen werden können, dass die Strumapatienten des LISA-Kollektivs eine deutlich niedrigere Jodausscheidung im Vergleich zu aktuellen Zahlen für die deutsche Durchschnittsbevölkerung hatten.

Es wird weiter geforscht

Dies werde sicherlich weitere Forschung nach sich ziehen, zumal neuere Untersuchungen ergeben hätten, dass auch zum Beispiel in den bisher als jodreich geltenden USA mehr als 25 Prozent der Bevölkerung eine zu geringe Jodausscheidung haben.

Grußendorf: "Das wichtigste Ergebnis der LISA-Studie ist, dass jetzt nach jahrzehntelanger Geschichte einer medikamentösen Behandlung von Knotenstrumen erstmalig valide Daten vorliegen, die uns wichtige Erkenntnisse zur Behandlung dieser Volkskrankheit in Deutschland geben und dem behandelnden Arzt helfen, die optimale Therapie bei seinen Patienten mit Struma nodosa zu finden."

Die LISA-Studie und ihre Konsequenzen für die tägliche Praxis ist eines der Themen beim Henning-Symposium "Schilddrüse 2011" vom 29.09. bis zum 1.10. in Heidelberg. Infos und Anmeldung: www.infoline-schilddruese.de oder Tel.: 0 69 / 24 24 78 71

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