Ärzte Zeitung, 22.04.2010
Schwanger bei Colitis - möglichst in Remission!
Noch immer gibt es Frauen mit Colitis ulcerosa, denen
von einer Schwangerschaft abgeraten wird. Dabei spricht nichts gegen
ein Kind, wenn die werdenden Mütter medizinisch begleitet
werden.
Von Philipp Grätzel von Grätz
BERLIN. Dr. Stefanie Howaldt von der
Schwerpunktpraxis Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in
Hamburg betonte, dass die Fertilität bei Patientinnen, bei
denen sich die Colitis ulcerosa (CU) in Remission befindet, nicht
eingeschränkt sei. "Auch der Verlauf der Schwangerschaft
unterscheidet sich in Remission nicht von dem bei gesunden Frauen", so
Howaldt.

Der Verlauf der Schwangerschaft
unterscheidet sich in Remission nicht von dem bei gesunden Frauen.
© Sven Bären / fotolia.com
Dem Remissionserhalt komme deswegen bei CU-Patientinnen mit
Kinderwunsch eine zentrale Bedeutung zu. "Die dafür
wesentlichen Medikamente können fast alle eingesetzt werden",
sagte die Expertin. Allen voran gebe es in der Schwangerschaft keine
Probleme mit dem Standardtherapeutikum Mesalazin. Auch Azathioprin und
Steroide seien mit einer Schwangerschaft kompatibel. Bisherige
Registerdaten sähen außerdem gut aus für
den Antikörper Infliximab.
Als Faustregel könne gelten, dass Präparate,
die für den Erhalt einer Remission nötig seien, bei
Kinderwunsch nicht abgesetzt werden sollten, so die Internistin bei
einem CU-Symposium anlässlich der Verleihung des
MMW-Arzneimittelpreises an das Präparat MMX-Mesalazin (Multi
Matrix; Mezavant®) des Herstellers Shire. Einzige Ausnahme sei
das bekannt teratogene Methotrexat, dem bei der Indikation CU aber
ohnehin nur eine untergeordnete Bedeutung zukomme. Es sollte mindestens
ein halbes Jahr vor der geplanten Konzeption abgesetzt werden.
Klar ist, dass eine Schwangerschaft nicht vor
CU-Schüben schützt. "Wir müssen damit
rechnen, dass etwa jede dritte Patientin während der
Schwangerschaft einen Schub erleidet", so Howaldt. Das ist nicht mehr,
aber auch nicht weniger als im Durchschnitt aller CU-Patientinnen im
gebärfähigen Alter. Weil eine aktive CU das Risiko
von Frühgeburten, Aborten und Missbildungen erhöht,
ist eine effektive Schubtherapie auch unter Schwangerschaftsbedingungen
wichtig. "Die Regel lautet: So wenig wie möglich, aber so viel
wie nötig", sagte Howaldt.
Bei der Entbindung ist nur dann Vorsicht geboten, wenn nach
einer Darmoperation eine pouchanale Anastomose angelegt wurde. "Wir
sehen hier die Gefahr von Dammrissen und empfehlen diesen Frauen
deswegen eine Sectio", so Howaldt. Kein Argument gegen eine Entbindung
auf natürlichem Wege ist dagegen ein Ileostoma.
In der Stillzeit brauchen sich Patientinnen unter
Mesalazin-Therapie keine Gedanken zu machen: "Das ist
uneingeschränkt möglich", sagte Howaldt. Steroide in
den üblichen Dosen von 10 bis 40 mg sind ebenfalls mit dem
Stillen vereinbar: Sie treten zwar in die Muttermilch über,
aber die Menge ist relativ gering. "Bei Azathioprin empfiehlt der
Hersteller das Stillen nicht. Aber unter fachkundiger Begleitung sind
hier Ausnahmen möglich", so Howaldt. Bei Infliximab
schließlich seien die Daten zum Stillen noch sehr begrenzt:
"Wir hatten bisher acht Patientinnen, bei denen nichts passiert ist."
Das hohe Molekulargewicht spreche zudem gegen einen Übertritt
in die Muttermilch.

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