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So lässt sich Haarausfall bekämpfen

Haarausfall muss man nicht hinnehmen. Betroffenen Männern und Frauen stehen einige wirksame pharmakologische und kosmetische Therapien zur Verfügung.

Von Andreas Häckel Veröffentlicht:
Verleiht dem Haar mehr Volumen: Camouflage mit einem Abdeckspray, oben vor und unten nach der Anwendung.

Verleiht dem Haar mehr Volumen: Camouflage mit einem Abdeckspray, oben vor und unten nach der Anwendung.

© Springer Verlag

NEU-ISENBURG. Haarausfall und Glatzenbildung beeinträchtigen bei beiden Geschlechtern häufig die Lebensqualität der Betroffenen enorm. Nach den Erkenntnissen der Trichologie ist durchaus oft eine effektive pharmakologische oder kosmetische Behandlung möglich.

Gerade bei starkem Leidensdruck sollte eine Therapie daher erwogen werden, betonen Professor Ralph Trüeb aus Wallisellen und Professor Wolf-Ingo Worret aus München in einem Beitrag (Ästhetische Dermatologie 1: 2011; 6).

Bei Männern vor allem androgenetische Alopezie

Haarverlust bei Männern ist zu 90 Prozent auf eine androgenetische Alopezie (AGA) zurückzuführen. Für die durch Androgene bewirkte Miniaturisierung der Haarfollikel mit nachfolgendem Haarausfall ist mit dem selektiven 5-Reduktaseinhibitor Finasterid eine orale pathophysiologisch wirkende Therapie verfügbar.

Bei Frauen in der Prämenopause ist diese Substanz wegen möglicher teratogener Wirkungen kontraindiziert, bei Frauen mit klimakterischer Alopezie wenig wirksam.

Mindestens ein Jahr therapieren

Eine Alternative ist die topische Anwendung von Minoxidil, die sich in einer Placebo-kontrollierten Studie ebenso als wirksam erwiesen hat. Gemeinsam ist beiden Optionen, dass sie eine Dauertherapie bedeuten und bei jüngeren Männern mit initialer Alopezie der Parietookzipitalregion den besten Erfolg versprechen.

Bevor über die Wirksamkeit entschieden werden könne, solle mindestens ein Jahr therapiert werden, so die Autoren. Quantifizieren lasse sich der Erfolg mit standardisierter Fotodokumentation, in über 80 Prozent der Fälle sei jedoch maximal der status quo konservierbar.

Kosmetische Haarpflegeprodukte könnten bei AGA unterstützend Überfettung, Schuppen oder Juckreiz des Haarbodens günstig beeinflussen. Für fortgeschrittene Alopezien blieben autologe Haartransplantationen als Therapiemöglichkeit.

Topisches Minoxidil bei diffusem Haarausfall

Auch diffuser Haarausfall bei Frauen ("female pattern hair loss") gilt heute als AGA, die oft mit Schwankungen der Sexualhormonspiegel - in der Pubertät, nach der Geburt oder im Klimakterium - assoziiert ist. Nach Ausschluss anderer Erkrankungen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen, Lupus erythematodes, Lues oder HIV-Infektion sollte eine AGA vor allem zu einem idiopathischen chronischen Telogeneffluvium und zu einem psychogenen Pseudoeffluvium abgegrenzt werden.

Obwohl der Androgeneinfluss heute zunehmend in Frage gestellt wird, kann - bei gleichzeitigem Wunsch nach hormoneller Kontrazeption oder Hormonersatztherapie - eine Kombination eines Östrogens mit Cyproteronacetat oder einem anderen antiandrogenen Gestagen (z.B. Drospirenon oder Chlormadinonacetat) wirksam sein.

Hormonabhängig wirkt eine zweiprozentige Minoxidil-Lösung

Hormonunabhängig entgegen wirken lässt sich einer AGA-bedingten Haarfollikelminiaturisierung überdies durch regelmäßige topische Anwendung einer zweiprozentigen Minoxidil-Lösung über mindestens sechs Monate.

Diese derzeit wirksamste Therapie bei "female pattern hair loss" sei bei nicht allzu stark ausgeprägtem Haarausfall sinnvoll, berge aber zu jeweils etwa fünf Prozent das Risiko von Hypertrichosen vor allem der Stirn- und Schläfenregion sowie einer Lösungsmittel-bedingten Kontaktdermatitis der Kopfhaut, so die Experten.

Ihre Wirksamkeit sei zudem auf die Dauer der aktiven Therapie begrenzt, was die Anwendung, besonders bei fortgeschrittenen Alopezien, einschränke.

Nur bei Frauen anzutreffen ist ein idiopathisches chronisches Telogeneffluvium der gesamten behaarten Kopfhaut. Ebenso wie bei Haarverlust aufgrund von Eisenmangel sollte der Arzt hier versuchen, den schwer beeinflussbaren Haarverlust als "verstärkten Haarwechsel" umzudeuten, so Trüeb und Worret.

Kommerzielle Haaranalyse ohne therapeutischen Nutzen

Ein diffuses Telogeneffluvium als Folge einer Kontaktdermatitis der Kopfhaut kann durch Paraphenylendiamin oder andere Umweltnoxen bedingt sein. Eine entsprechende Haaranalyse habe dennoch keinen verwertbaren Nutzen, sondern verunsichere nur Arzt und Patient, so die Autoren.

Ein Kombinationspräparat aus der Aminosäure Cystin, Panthotensäure, Thiamin und Paraaminobenzoesäure (PABA) habe zumindest bei gesunden Frauen mit Haarausfall im Placebovergleich die Anagenrate der Haarfollikel verbessert.

Alopecia areata: hohe Rate von Spontanremissionen

Eine Alopecia areata mit vermutlich autoimmuner Genese kann in unterschiedlich ausgedehnten Arealen auftreten und unberechenbar, schubweise rezidivierend verlaufen. Typisch sind hohe Rezidivraten von etwa 85 Prozent.

Eine verlässliche und nebenwirkungsfreie Therapie mit dauerhafter Wirkung besteht nach Ansicht der Autoren nicht, die Spontanremissionsrate sei mit 50 Prozent binnen eines Jahres und 80 Prozent binnen drei Jahren jedoch hoch. Lediglich in der Akutphase binnen sechs Monaten nach Erkrankungsbeginn seien zum Beispiel intraläsional als Okklusivverband angewendete Kortikosteroide (etwa Triamcinolonacetonid 10 mg / ml alle vier Wochen 3- bis 6-mal) sinnvoll.

Ausgedehnte und mehr als ein Jahr bestehende Formen der Alopecia areata sprechen lediglich auf eine topische Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäuredibutylester besser an als auf "Placebotherapien".

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