Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 10.08.2011

Komplikation nach Organspende kein Versicherungsfall

HALLE (mwo). Gesundheitliche Schäden einer Organspende werden nicht immer aus der gesetzlichen Unfallversicherung entschädigt. Das jedenfalls meint das Landessozialgericht (LSG) Sachsen-Anhalt in Halle mit einem kürzlich schriftlich veröffentlichten Urteil.

Danach muss die Unfallversicherung nur zahlen, wenn zur normalen Operation noch ein schädigendes äußeres Ereignis hinzukommt, etwa eine Infektion.

Die gesetzliche Unfallversicherung wurde vorrangig zur sozialen Absicherung nach einem Arbeitsunfall geschaffen. Laut Gesetz sind aber auch verschiedene andere Tätigkeiten versichert, die im gesellschaftlichen Interesse liegen, darunter die Organspende.

Der Kläger hatte im Alter von 54 Jahren seinem Bruder eine Niere gespendet. Die Operation verlief unauffällig. Erst nach einigen Wochen traten starke dauerhafte Narbenschmerzen auf. Der Mann ist seitdem auch psychisch unausgeglichen und arbeitsunfähig.

Kein Anspruch auf Verletztenrente

Anspruch auf eine Verletztenrente hat er nicht, urteilte das LSG Halle. Zwar sei die Organspende unfallversichert gewesen, doch es fehle an einem "Unfall".

Denn die Entnahme der Niere sei nicht als "Unfall" anzusehen, weil der Mann dem Eingriff zugestimmt habe. Die Operation sei auch planmäßig verlaufen. Es seien keine weiteren "äußeren Ursachen", etwa eine Infektion oder eine erneute Verletzung des Operationsgebiets, erkennbar. Daher fehle es an einer "äußeren Einwirkung", die einen Unfall ausmache.

Andere Komplikationen, die mit einer Organspende oder mit dem Leben ohne gespendetes Organ verbunden sein können, seien keine Unfälle und daher nicht versichert. Gegen das Urteil ist Revision zum Bundessozialgericht zugelassen.

Az.: L 6 U 131/07

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Geplante Patientenrechte sorgen für lange Gesichter

Schlechte Noten für das Patientenrechte­gesetz: Der vom Kabinett verabschiedete Entwurf gilt als kleinster gemeinsamer Nenner. Länder, Kassen und Opposition nörgeln, haben aber auch Ideen, wie der Entwurf in ihren Augen noch gerettet werden kann. mehr »

Ärzte, vernetzt Euch!

Vom Deutschen Ärztetag soll ein Aufruf ausgehen für mehr vernetztes Arbeiten von Ärzten. Doch die Botschaft stieß nicht auf einhellige Begeisterung. Denn Kooperationen bergen auch das Risiko neuer Abhängigkeiten für Ärzte, warnten Delegierte. mehr »

Klinik Bremen-Mitte: Schlamperei mit Handschuhen

Die Frühchen-Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte sorgt weiter für Schlagzeilen: Jetzt ist ein neuer Bericht aufgetaucht - es geht um kontaminierte Handschuhe. Außerdem wurde der damalige Klinik-Chefarzt zu Unrecht entlassen. mehr »