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Burnout-Gefahr in der Psychiatrie

Nicht nur Spitzensportler scheinen besonders Burnout-gefährdet, auch Ärzte, Pfleger und Therapeuten, die in psychiatrischen Kliniken arbeiten.

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Doktor am Ende: Auch in der Psychiatrie gibt es ein hohes Burnout-Risiko.

Doktor am Ende: Auch in der Psychiatrie gibt es ein hohes Burnout-Risiko.

© photos.com

BERLIN (mut). Als sinnlos empfundene Tätigkeiten, geringe Wertschätzung, hohe Fremdbestimmung und Arbeitsdichte - die moderne Arbeitswelt liefert genug Erklärungen für die steigende Zahl von ausgebrannten Menschen. Die meisten treffen auch auf Beschäftigte in der Psychiatrie zu.

Für Professor Wulf Rössler aus Zürich hat es zumindest einen Vorteil, wenn derzeit viel über Burnout geredet wird: "Es gab noch nie so viele Menschen, die sich selbst einer psychischen Störung bezichtigt haben", sagte er auf dem DGPPN-Kongress in Berlin.

Die Enttabuisierung psychischer Krankheiten scheint also Fortschritte zu machen. Doch häufig verstünden Menschen unter Burnout eher ein allgemeines, arbeitsbezogenes Unwohlsein, ein Begriff dafür, dass es ihnen nicht gut geht.

Zynismus ist ein erstes Anzeichen

Rössler erinnerte daran, dass zum Burnout jedoch eine emotionale Erschöpfung, eine reduzierte Leistungsfähigkeit und eine Persönlichkeitsveränderung gehöre, was etwa bedeuten kann, dass die Betroffenen zynische Umgangsformen entwickeln.

Der Arzt und Diplom-Psychologe sieht unter Burnout auch mehr als eine Modeerkrankung oder einen neuen Namen für ein altes Phänomen, im Burnout manifestiere sich ein Wandel in der Arbeitswelt mit höherer Arbeitsverdichtung, einem höheren Maß an Fremdbestimmung und an Tätigkeiten, die als wenig sinnvoll empfunden werden.

Und von diesem Wandel seien besonders auch diejenigen betroffen, die psychisch Kranken eigentlich helfen sollten: Ärzte und Pfleger in der Psychiatrie. Als Gründe nannte Rössler die emotional oft sehr belastende Situation mit Patienten.

Den Psychiater will keiner sehen

Im Gegensatz zu anderen Fachdisziplinen gebe es oft einen Dissens zwischen Behandlern und Behandelten. "Der Psychiater ist in der Regel der einzige Arzt, den keiner unbedingt sehen will."

Hinzu komme, dass Psychiater und Psychotherapeuten dennoch den Anspruch haben, offen, freundlich, ausgeglichen und verständnisvoll auf ihre Patienten zuzugehen. Das werde dann oft zu einer Gratwanderung.

Doch auch Veränderungen im Klinikbetrieb begünstigten das Ausbrennen. So stehen in Kliniken zunehmend ökonomische Kriterien an erster Stelle. Dies kollidiere mit dem Selbstverständnis von Therapeuten und Pflegern, die dann nicht mehr unbedingt das tun können, was sie als sinnvoll und notwendig erachten.

Anerkennung als Therapeutikum

Viele Klagen in der Psychiatrie rührten auch daher, dass die Beschäftigten seltener das Gefühl haben, sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen. So fressen Dokumentation und andere administrative Tätigkeiten inzwischen ein Drittel der Zeit. "Dieses Ausmaß wird von vielen als quälend empfunden."

Konsequenzen seien ein überproportional hoher Anteil von Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen, aber auch Präsentismus - die Beschäftigten sind zwar noch präsent, aber leisten nicht mehr viel.

Als Gegenmittel nannte Rössler, die Arbeitsleistung wieder mehr anzuerkennen sowie größere Entscheidungsspielräume. "Wir müssen eine neue Führungskultur entwickeln, um einem Burnout vorzubeugen."

Rössler warnte jedoch davor, einen Burnout zu dramatisieren. Wer ausgebrannt ist, sei noch nicht unbedingt psychisch krank. Vielmehr sei Burnout die Vorstufe einer Erkrankung. Meist lasse sich eine ernsthafte, in der Regel depressive Erkrankung durch fachliche Beratung und Betreuung noch abwenden.

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