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Jodtabletten für Schwangere

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Schwangere brauchen etwa 230 µg Jod täglich, nehmen aber über die Nahrung kaum halb so viel auf. Endokrinologen empfehlen daher zusätzlich Jodtabletten. Doch seit 2004 wird die Prophylaxe nicht mehr erstattet.

Von Ingeborg Bördlein

MÜNCHEN. Schwangere und stillende Mütter haben einen erhöhten Jodbedarf, der durch die Jodversorgung in Deutschland nicht ausreichend gedeckt wird. Ab der 12. Schwangerschaftswoche sollte eine Jodprophylaxe erfolgen.

Schwangere sind in Bezug auf die Jodversorgung nach wie vor als Risikogruppen anzusehen, erläuterte Professor Roland Gärtner im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Auf jeden Fall sollte spätestens ab der 12. Schwangerschaftswoche eine Jodprophylaxe erfolgen, sagte der Endokrinologe vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Struma trotz verbesserter Jodversorgung

Der Arbeitskreis Jodmangel (AKJ) weist in seinem Merkblatt für Frauenärzte und Hebammen darauf hin, dass trotz verbesserter Jodversorgung in Deutschland immer noch ein Fünftel bis ein Drittel der Frauen, die schwanger werden, eine Struma hat. Und jede fünfte Schwangere habe eine latente oder sogar eine mani feste Hypothyreose oder Hypothyroxinämie.

Der erhöhte Jodbedarf bei schwangeren Frauen resultiert aus einer erhöhten Stoffwechsellage, einer erhöhten renalen Clearance und dem Jodbedarf des Ungeborenen. Denn ab der 12. Schwangerschaftswoche nimmt die Schilddrüse des Embryo die Hormonbildung auf.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beträgt der Jodbedarf einer Schwangeren zwischen 230 Mikrogramm und 260 Mikrogramm pro Tag. Die mittlere Jodaufnahme einschließlich Jodsalz und jodierten Lebensmitteln liegt aber nur bei etwa 120 Mikrogramm pro Tag.

Da diese Versorgungslücke über die Ernährung alleine nicht ausgeglichen werden kann, empfehlen Endokrinologen während der Schwangerschaft prophylaktisch eine moderate zusätzliche Jodzufuhr über Tabletten von 100 Mikrogramm Jodid pro Tag. Der Bedarf könne auch mit einem Folsäure -Jod-Kombinationspräparat abgedeckt werden.

200 Mikrogramm Jodid pro Tag

Schwangere mit einer Struma sollten während der gesamten Schwangerschaft und auch während der Stillzeit sogar 200 Mikrogramm Jodid pro Tag erhalten, mit einer Ausnahme: Das sind bekannte autonome Adenome in der Struma mit latenter Hyperthyreose.

Die Jodprophylaxe mit 100 Mikrogramm bis 150 Mikrogramm Jodid - je nach der Stillleistung - sollte generell bei schilddrüsengesunden Frauen auch während der Stillzeit fortgeführt werden, da der Säugling einen Mindestbedarf von 5 Mikrogramm Jod pro 100 Milliliter Muttermilch hat.

Gärtner geht davon aus, dass von einer konsequenten Jodsupplementierung während der Schwangerschaft und der Stillzeit derzeit nicht mehr ausgegangen werden kann, da die Jodprophylaxe seit dem Jahr 2004 nicht mehr erstattungsfähig ist.

Frauenärzte sollten ihren schwangeren und stillenden Patientinnen deshalb frühzeitig zu einer Jodprophylaxe raten, sagte Gärtner. Nach einer Jodanamnese und vor Empfehlung eines Jodpräparats sollte jedoch geklärt werden, ob die Patientin jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel oder Schwangerschafts-Vitaminpräparate zu sich nimmt. Denn diese Zubereitungen können teilweise bereits Jod enthalten.

Der Arbeitskreis Jodmangel hat zu diesem Themenkomplex einen Fragebogen entwickelt. Er ist im Web abrufbar, und zwar unter der Adresse www.jodmangel.de.

Die Schilddrüsen-Initiative Papillon ruft auch dieses Jahr wieder zur Schilddrüsenwoche vom 23. bis 27. April auf, Infos unter : www.schilddruese.de

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