Samstag, 25. Mai 2013
Ärzte Zeitung, 06.12.2012

Kommentar des Experten

Dianiño-Nannis betreuen zuckerkranke Kinder

Wird bei einem Kind Diabetes diagnostiziert, trifft das die Eltern häufig wie ein Blitzschlag. Hilfe im Umgang mit der Erkrankung finden Familien bei der Stiftung "Dianiño - Kind sein, trotz Diabetes".

Von Prof. Hellmut Mehnert

Prof. Hellmut Mehnert

Dianiño-Nannis betreuen zuckerkranke Kinder

© sbra

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Wird bei einem Kind Typ-1-Diabetes diagnostiziert, trifft das Familien häufig wie ein Blitzschlag.

Die Betroffenen werden zwar in einer Klinik auf Insulin eingestellt, dort mit ihren Eltern zusammen geschult und von einem Kinder-Diabetologen betreut.

Der Alltag bringt jedoch anschließend viele Probleme mit sich. Dies betrifft in erster Linie den häufig instabilen Stoffwechsel der Kinder.

Häufig Probleme mit dem Essen

Den Betroffenen wird erfreulicherweise immer häufiger eine Insulinpumpe verordnet. Andernfalls bekommen 90 Prozent der Patienten eine anderweitig intensivierte Insulintherapie mit mahlzeitengerechten kleinen Mengen von Insulin-Analoga (Lispro, Aspart oder Glulisin) und einem lang wirkenden Basalinsulin.

Besonders die Nahrungszufuhr ist bei den Kindern oft ein Problem, etwa wenn ihnen ein kurz wirkendes Insulin gespritzt wird, und sie dann die erforderliche Nahrungsmittelmenge nicht essen wollen (Kohlenhydratberechnung nach BE!).

In diesem Fall sind die Analoga günstig, weil man sie auch unmittelbar nach dem Essen bedarfsgerecht spritzen kann, was natürlich die Einstellung erleichtert.

Natürlich ist auch eine regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle wichtig: Die Werte sind zu dokumentieren und dem Arzt vorzulegen, damit danach die Einstellung optimiert werden kann.

Die Therapie wird auch noch erschwert durch die zwar erwünschte, aber schwer "dosierbare" körperliche Bewegung der Kinder. Eltern sind oft überfordert, hier entsprechend reagieren zu können.

Hilfe im Umgang mit Diabetes in der Familie

Hilfe bietet die Stiftung "Dianiño - Kind sein, trotz Diabetes". Sie will Betroffenen vermitteln, dass sie bei Problemen auf schnelle Hilfe rechnen können.

Das wirkliche Leiden der Patienten und ihrer Familien beginnt ja erst nach der Insulineinstellung im Krankenhaus.

Außer ihrem Engagement bei Schulungen betreuen die ehrenamtlichen Fachkräfte der Stiftung, sogenannte Dianiño-Nannis, zuckerkranke Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Die Nannis arbeiten natürlich in enger Kooperation mit den behandelnden Ärzten, Psychologen und den Diabetesberaterinnen.

Sie leisten dabei ausschließlich Hilfestellung im Umgang mit dem Diabetes in der Familie. Das heißt: Eigenständige Therapieänderungen oder andere ärztliche Entscheidungen übernehmen sie nicht. Sie helfen vielmehr den betroffenen Eltern, den Alltag mit Diabetes zu bewältigen.

Im Notfall unkomplizierte und unbürokratische Hilfe

Bereits 270 Personen sind bisher ehrenamtlich in der Stiftung tätig gewesen, davon waren 71 Prozent Kinderkrankenschwestern und Diabetesberaterinnen, 18 Prozent erfahrene Mütter mit einem eigenen zuckerkranken Kind und 11 Prozent Sozialpädagogen und Erzieher.

Die Nannis erhalten lediglich eine Aufwandsentschädigung und sind natürlich über die Stiftung versichert. Sie kommen spätestens zum Einsatz, wenn ein betroffenes Kind nicht mehr angemessen betreut und versorgt werden kann.

Im ersten Halbjahr 2012 kamen 126 Hilfsanfragen aus Kinderkliniken an die Stiftung, auf die sehr schnell reagiert wurde. 41 Diabetes-Nannis waren dabei im Einsatz und sind insgesamt 7500 km gefahren.

Für betroffene Familien einschließlich der betreuenden Ärzte ist es wichtig zu wissen, dass sie im Notfall die unkomplizierte und unbürokratische Hilfe bekommen können.

Ingrid Pfaff, Gründerin und Leiterin der Stiftung, wurde im Oktober 2012 bei der Charity-Gala von diabetesDE mit dem "Thomas-Fuchsberger-Preis" ausgezeichnet.

Der Preis wird ehrenamtlich tätigen Personen verliehen, die mit ihrem Projekt zur Aufklärung von Menschen mit Diabetes beitragen und praktische Hilfe im Umgang mit der Krankheit leisten.

Kindern mit Diabetes ist heute ein annähernd normales Leben möglich: Das zeigten bei der Gala auch Jungen mit Diabetes, die in Lausanne den Junior-Fußball-Cup gewonnen hatten und damit Weltmeister geworden sind - mit einem 4:0-Erfolg gegen Belgien.

Dianinio-Hotline: 01 80 / 200 01 93, www.stiftung-dianino.de

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