Direkt zum Inhaltsbereich

Welt-Parkinson-Tag

Fortschritte bei der tiefen Hirnstimulation

Von der tiefen Hirnstimulation könnten mehr Patienten als bisher profitieren, betonen Experten zum Welt-Parkinson-Tag.

Veröffentlicht:
Die tiefe Hirnstimulation ist eine Option, wenn die Symptome trotz Medikation persistieren.

Die tiefe Hirnstimulation ist eine Option, wenn die Symptome trotz Medikation persistieren.

© Medtronic

NEU-ISENBURG. Wenn sich Parkinson-Symptome nicht mehr ausreichend mit Medikamenten kontrollieren lassen, gilt die tiefe Hirnstimulation (THS) als wirksame Option.

In der EARLYSTIM-Studie wurde die THS schon bei jüngeren Patienten eingesetzt und so die Lebensqualität um bis zu 26 Prozent verbessert, teilt die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April mit.

Derzeit testen Düsseldorfer Forscher neue Stimulationsverfahren, die die Parkinson-Therapie weiter verbessern könnten (Brain 2013; online 22. Oktober).

Viele Parkinson-Patienten kommen gar nicht zum Spezialisten

Etwa 800 Parkinsonkranke wurden im vergangenen Jahr mit den THS-Elektroden nebst Schrittmacher unterm Schlüsselbein versorgt, so die DGKN. Bis vor kurzer Zeit erhielten Patienten den Hirnschrittmacher erst nach etwa zwölf Jahren Krankheitsdauer.

Inzwischen setzen Ärzte ihn in bestimmten Fällen bereits erfolgreich nach durchschnittlich sechs Jahren Erkrankung ein. Die THS könne die Symptome stärker als eine optimierte medikamentöse Behandlung lindern und somit die Lebensqualität verbessern.

"Erstaunlicherweise führt die THS in dieser Patientengruppe nicht nur zur Verbesserung der motorischen Symptome - die Patienten schätzen auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit als verbessert ein", wird DGKN-Vizepräsident Professor Alfons Schnitzler aus Düsseldorf in der Mitteilung zitiert.

Leider kämen Parkinson-Patienten häufig gar nicht zum Spezialisten, um eine Hirnschrittmacher-Therapie für sich zu erörtern, bedauert er. Oder sie stellten sich zu spät vor, wenn sich ihre Lebensqualität bereits unwiderruflich verschlechtert habe, so der Experte.

Um die THS noch weiter zu verbessern, werden neue Stimulationstechniken erforscht, die durch technische Weiterentwicklungen möglich geworden sind (Ann Neurol 2013; 74: 449).

"Wir gehen davon aus, dass beispielsweise durch kürzere Impulszeiten bessere Ergebnisse erzielt werden können", sagt Schnitzler. Derzeit wird auch ein neues Hirnschrittmacher-Modell getestet, das die elektrischen Impulse an die Gehirnaktivität anpassen soll.

"Der erweiterte Stimulator gibt nicht nur Impulse an das Gehirn, er misst auch die Nervenzell-Aktivität", erklärt der Neurologe und Neurophysiologe.

Entwicklung eines adaptiven Hirnschrittmachers

Ziel ist die Entwicklung eines adaptiven Hirnschrittmachers, der die Stimulation dynamisch an die Eigenaktivität der krankhaften Nervenzellen anpasst - bisher ist eine gleichmäßige Dauerstimulation üblich.Weltweit testen mehrere Zentren die neue Technik.

"Die meisten davon befinden sich in Deutschland, etwa in Düsseldorf, Würzburg, Köln, München und Berlin. "Bei der Weiterentwicklung der THS ist Deutschland führend", sagt Schnitzler.

"Wir möchten alle Parkinson-Patienten dazu ermuntern, sich früher von spezialisierten Neurologen untersuchen zu lassen, um zu prüfen, ob eine Tiefe Hirnstimulation für sie in Frage kommt. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Neue Verordnung

Parkinson durch Pestizide als Berufskrankheit eingestuft

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue Therapien

Gleich mehrere Durchbrüche bei seltenen Erkrankungen

Lesetipps
Ein Hautarzt untersucht die Haut mit einem Dermatoskop auf Melanom.

© Iryna&Maya / stock.adobe.com

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?