Ärzte Zeitung, 21.05.2013

Leitartikel zu Cannabis-Konsum

Die Entkriminalisierung gehört auf die Agenda

Kriminalisierung und Pönalisierung waren lange Zeit die einzige Strategie gegen Drogenabhängigkeit. Doch inzwischen wird die Debatte um eine Legalisierung - zumindest für Cannabis - mit Augenmaß geführt. Nicht nur von Ärzten.

Von Christian Beneker

Die Entkriminalisierung gehört auf die Agenda

Cannabis zählt zu den weniger gefährlichen Drogen. Die kontrollierte Freigabe wird in Erwägung gezogen.

© Ademoeller/fotolia.com

Es kam, wie es kommen musste: Am Schluss lief alles auf die Frage hinaus, ob man Cannabis weiter verbieten solle oder nicht. Um es gleich zu sagen: Die Mehrheit auf der Veranstaltung "Drogenpolitik der Zukunft" der Friedrich Ebert Stiftung (FES) Niedersachsen in Hannover war offenbar für einen Neuansatz in der Drogenpolitik - zu Recht.

Derzeit sind zwei Trends festzustellen, erklärten die Referenten der Veranstaltung. Sozialarbeiter, Polizei, Ärzte und Beratungsstellen haben es geschafft, auf das Heroin-Drogenelend der 1980er und 90er Jahre eine Antwort zu finden. Rund 77.000 Betroffene erhalten heute in Deutschland eine Substitutionsbehandlung.

Zwar ist der Anteil der Patienten, die ein Drogensubstitut bekommen, in Deutschland mit rund 45 Prozent weit niedriger als bei den europäischen Nachbarn. In Frankreich werden 90 Prozent der schwer Drogenabhängigen so behandelt. Auch die Zahl der Ärzte, die eine Substitutionstherapie anbieten, ist mit 2300 längst nicht ausreichend. Was auch daran liegt, dass die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtmVV) diese Ärzte kriminalisiert, wenn sie auf die Take-Home-Regelung zurück- greifen. Trotz dieser Einschränkungen gilt die Substitutionstherapie als wirksames Werkzeug gegen die Folgen der Sucht. Kriminalität, Strafverfolgung, Inhaftierung und daraus resultierende Folgekrankheiten können vermieden werden.

Außerdem sinkt die Zahl der Drogentoten. Derzeit sterben in Deutschland jährlich rund 1000 Menschen an den Folgen des Konsums illegaler Drogen - das sind 20 Prozent weniger als vor zehn Jahren. In Niedersachsen hat sie sich sogar halbiert...

Jetzt gleich lesen ...Jetzt gleich lesen ...

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Fischöl bei die Fische

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »